Hart wie eine Eiche – Charles Oakley

Als Dave Robbins einmal gefragt wurde, was für ein Typ dieser Charles Oakley sei, antwortete er mit einer Gegenfrage: “Habt ihr schon mal versucht, einen Nagel in einen Pinienstamm zu schlagen? Der Nagel wird zerbrechen. Und genau das passiert mit euch, wenn ihr auf dem Feld auf Charles trefft. Er ist hart wie eine Pinie.” Robbins muss es wissen. Er war Oakleys Coach an der Virginia Union University.

Charles Oakley war nie der Highflyer oder Showballer, wie sie heutzutage zu Tausenden über das Parkett fliegen. Trotzdem war er einer der populärsten und bekanntesten Spieler der 90er-Jahre. Denn mit seiner Kraft, seinem Aussehen und seinem Einsatz verkörperte er perfekt den “hard working man” des Basketballs.

Besondere Stärke des Mannes, dessen krasse Flattop-Frisur lange zu seinen Markenzeichen gehörte, war seine Rebound-Arbeit. Obwohl er kaum springen konnte, sicherte er sich in 1.282 Spielen unglaubliche 12.205 Boards – gerade einmal 18 Spieler in der NBA-Geschichte räumten mehr Rebounds ab, und fast alle waren Superstars. “Ein Rebound ist immer noch ein Rebound – egal, ob ich ihn in der Luft schnappe oder noch mit den Füßen auf dem Boden stehe”, erklärte der Power Forward lapidar. Manchmal sah es sogar so aus,als wolle er sich gar nicht erst in die Luft begeben, um stattdessen seinem Gegenspieler zu zeigen: “Um dich zu schlagen, muss ich gar nicht springen. Ich komme auch so an den Ball.

Basketball hatte für Oakley nichts mit eleganten Moves oder blitzschnellen Dribblings zu tun. Sein Spiel erinnerte eher an das der Straße – dort, wo nicht nach einem Ellbogenhieb der Schiri eingreift. Für Oakley zählte nur die Drecksarbeit – und genau das machte ihn so wertvoll. Keinen Ball verloren geben und immer das letzte aus sich herausholen, das war genau seine Art, Basketball zu spielen. “Es ist schön zu wissen, dass du einen hast, mit dem du bedenkenlos in die Schlacht ziehen kannst”, so Ex-Mitspieler John Starks. “Auf dem Platz mache ich das, was wirklich zählt, egal, wie körperbetont ich dafür spielen muss”, fügt “The Oaktree” hinzu. “Oaktree”, ein Mann wie ein Baum. Hart wie eine Eiche. Oder eine Pinie. In seinen Teams war er derjenige, hinter dem sich alle verstecken konnten. Als Mitspieler geliebt, als Gegner gehasst.

Schon als Kind lernte Oakley, was es heißt, mit bloßen Händen harte Arbeit zu verrichten. Nach dem Tod seines Vaters zog er als Siebenjähriger von Cleveland nach Alabama auf die Farm seiner Großeltern und half fortan bei der Feldarbeit. Sein Großvater war auch sein Vorbild. “Ich habe ihm immer bei der Arbeit zugeschaut und war beeindruckt, wie hart er arbeitete, ohne sich zu beschweren.” Was er ebenfalls von seinem Opa lernte, war der respektvolle Umgang mit seinen Mitmenschen. Oakley war einer der uneigennützigsten Spieler und arbeitete jedem zu. Auf dem Parkett kam der 2,06 Meter große Forward allerdings eher grimmig daher.

“Oak” hatte viele Tricks auf Lager, um sich einen Vorteil zu verschaffen: Dem Gegner auf die Finger treten, wenn er auf dem Boden liegt, oder ihm den Ellbogen in den Rücken rammen, wenn der Schiedsrichter wegschaut, gehörten zu seinen Spezialitäten. Ab und zu verpasste er seinem Gegenüber eine Kopfnuss, was häufig in wilden Prügeleien endete. “Ich habe ihn gehasst”, schäumt NBA-Legende Charles Barkley noch immer vor Wut. “Er war einer der schmutzigsten Gegenspieler, die ich jemals hatte.” Als schmutzig empfand Oakley seine Art zu spielen nie. “Ich mache nur das, was nötig ist, um zu gewinnen”, entgegnete er stets.

19 lange Jahre polarisierte Charles Oakley in der Liga der Besten – er spielte so lange, dass manche das Gefühl hatten, er gehörte zum festen Liga-Inventar.Und auch die Coaches ehrten das kämpferische Aushängeschild der NBA: 1994 wurde er ins AII-Star-Team berufen – eine Auszeichnung für die vielen Jahre der harten Arbeit. Mit den Knicks fightete er sich 1994 ins NBAFinale (3:4 gegen Houston) und sorgte damit für einen riesigen Popularitätsschub für die Franchise.

Seine Art, Basketball zu spielen, hat in der NBA ihre Spuren hinterlassen. Immer wieder versuchen Spieler, Oakley nachzueifern: NBA-Arbeitstier Ben Wallace, den Oakley sogar gefördert hat, ist der bekannteste Akteur, der das Motto “Be Iike Mike (Jordan)” in “Be Iike Oak” umgewandelt hat.

Der Traum vom Titel blieb für die “Eiche” allerdings unerfüllt. Auch, weil ihn die Bulls schon 1989 nach New York getradet hatten. Sehr zum Ärger von Michael Jordan übrigens .

Ganz von der Bildfläche verschwunden ist Charles Oakley allerdings auch heute nicht. Mit ein wenig Glück trifft man ihn in einem seiner Auto-Wasch-Salons. Auch hier verzichtet er auf moderne Polier-Maschinen und vertraut lieber seinen eigenen Händen. “Keine Maschine kann die eigene harte Arbeit ersetzen”, ist er seinem Motto treu geblieben. Heute genauso wie damals auf dem Parkett.

Quelle: BASKET 4 /2009

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