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Eric Gordon: Liebe auf dem zweiten Blick

Samstag, 26. Juni 2010

Er sieht aus wie ein übergewichtiger Kampfzwerg. Aber es gibt wohl kaum einen Shooting Guard, der gleichzeitig so explosiv und elegant auf dem Court in Erscheinung tritt wie Clippers-Rookie Eric Gordon.

Der Draft-Jahrgang 2008 hat ohne Zweifel jede Menge Talent in die Liga gespült – vor allem auf den Guard- Positionen. Top-Rookies wie Derrick Rose (Chicago), O.J. Mayo (Memphis) und Russell Westbrook (Oklahoma) begeistern die Fans mit ihrer dynamischen Spielweise und geben ihren Clubs Hoffnung auf bessere Zeiten. Ein vierter Name wird bei der Aufzählung der jungen Guards häufig vergessen. Und zwar völlig zu Unrecht! Eric Gordon spielt in Los Angeles, der Stadt der Stars und Sternchen. Allerdings nicht für die übermächtigen Lakers, sondern bei den erfolglosen LA Clippers. Und über die hüllte man nach dem katastrophalen Saisonstart (17 Niederlagen in 21 Partien) lieber ganz schnell den Mantel des Schweigens. Wen interessiert da schon, was irgendein an siebter Stelle gedrafteter Frischling veranstaltet? Doch für den 20-jährigen Eric Gordon ist dies keineswegs eine neue Situation, denn in der ersten Saisonhälfte wurde er im Schatten von Rose und Mayo völlig falsch eingeschätzt. Besser gesagt: unterschätzt! Selbst von den eigenen Teamkollegen. Als er einmal gegen die Sacramento Kings spektakulär per Dunk abschloss, staunte sein Mitspieler AI Thornton hinterher dermaßen, als habe Gordon gerade mit der Hand die Hallendecke berührt. “Ich war geschockt von der Aktion, weil ich nicht wusste, dass Eric so etwas draufhat”, erklärt der ver blüffte Clippers-Forward. Thornton ist nicht der Erste und ganz sicher auch nicht der Letzte, der sein bisheriges Bild von Eric Gordon überdenken muss. Denn in diesem Typen steckt mehr, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Vor allem die äußere Erscheinung täuscht gewaltig. Mit nur 1,91 Meter bringt Gordon, der von seinen Mitspielern “Hobbit” genannt wird, beachtliche 101 Kilogramm auf die Waage. Für einen Shooting Guard ist er damit nicht nur zu kurz, sondern auch definitiv zu schwer geraten. Zum Vergleich: AII-Star-Guard Devin Harris von den New Jersey Nets ist genauso groß, bringt aber nur 84 Kilo auf die Waage.Sobald Gordon aber im Clippers-Jersey über das Parkett wirbelt, könnte man meinen, der Typ sei ein Fliegengewicht. Sein Körper wirkt zwar gedrungen, aber jedem, der diesen Jungen spielen sieht und etwas genauer darauf achtet, wie er sich bewegt, fällt als Erstes seine Athletik auf. Unglaublich, wie hoch Gordon springen kann – trotz seines doch eher massigen Körpers, der, von der Größe einmal abgesehen, eigentlich eher zu einem Forward passen würde. “Eric ist ein sehr explosiver Spieler”, lobt ihn sein Coach Mike Dunleavy. “Und er wird immer besser!” Gordons Wurf von der Dreierlinie ist nicht nur relativ sicher (37 Prozent Erfolgsquote). sondern auch schön anzuschauen, weil seine Bewegung unglaublich flüssig und leichtfüßig erscheint. In Expertenkreisen wird sein Jumpshot bereits mit dem schönsten Jumper der Liga verglichen – mit dem eines gewissen Ray Allen (Boston Celtics). “Jedes Mal,wenn Eric Gordon wirft, hält das Clippers-Publikum kurz die Luft an – als ob am Spielfeld rand gerade eine Cheerleaderin ihren Oberkörper entblößen würde”, beschreibt ESPN-Kolumnist Bill Simmons seine Wertschätzung. “Sogar die Ballrotation ist traumhaft. Am liebsten würde ich seinen Jumpshot heiraten.” Dabei hatten die Clippers gar nicht geplant, ihrem Jungspund bereits in seiner ersten Saison so viele Minuten zu schenken (mittlerweile sind es pro Partie zwischen 35 und 40). So durfte Gordon in seinen ersten 13 Einsätzen nur von der Bank aus eingreifen, was er mit durchschnittlich 4,5 Punkten bei einer mageren Trefferquote von 32,6 Prozent eher mittelmäßig verwertete. Erst als der Club Ende November Cuttino Mobley zu den New York Knicks schickte, um Zach Randolph zu bekommen, und fortan Gardon als Shooting Guard starten durfte, ging den Clippers auf, wie viel tatsächlich in dem Kraftpaket steckt. Seitdem ist Gordon aus der Starting Five nicht mehr wegzudenken. Besonders im Januar Überzeugte der Scharfschütze mit beachtlichen 21,9 Zählern pro Partie und wurde folgerichtig zum Rookie des Monats gewählt.

“Er hat sich seine Einsatzzeit wirklich hart verdient”, sagt Clippers-Coach Mike Dunleavy, der aufgrund der nicht vorhandenen Playoff-Aussichten seinen jungen Spielern viel Freiraum gewähren kann – wovon Gordon natürlich immens profitiert. Durch diverse Verletzungen von Leistungsträgern wie Baron Davis oder Zach Randolph konnte der “Hobbit” vor allem in der Offensive mehr als nur ein Mal zeigen, was er draufhat. Nachdem er den Pistons 31 Punkte eingeschenkt hatte, ließ er im nächsten Spiel gleich 32 gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks folgen. Sein bisher bestes Spiel aber lieferte er gegen die Oklahoma City Thunder ab, die er mit 41 Punkten fast im Alleingang abschoss. Seine Erklärung dafür klingt simpel: “Je mehr ich spiele, umso selbstbewusster werde ich auch. Aber am besten bin ich, wenn ich Spaß dabei habe. Darum geht es schließlich.” Na ja, nicht ganz. Schließlich geht es auch ums Gewinnen, und davon sind die Clippers in dieser Saison in den meisten Partien meilenweit entfernt. Was nicht unbedingt an ihrem Shooting Guard liegt, dem der Ex-Clippers Elgin Baylor sogar AII-Star-Potenzial bescheinigt. Vielleicht hat Baylor damit sogar recht, denn so einen Spielertypen wie Eric Gordon gibt es selten. Ein weiterer Grund, bei Clippers-Spielen etwas genauer hinzuschauen. Selbst wenn die Cheerleader ihre Shirts anbehalten.

Dwight Howard: Ernst genug für den Titel

Sonntag, 20. Juni 2010

Dwight Howard hat Shaquille O’Neal abgelöst. Als bester Center und größter Spaßvogel der Liga. Doch während Shaq neben Entertainer-Qualitäten auch vier Titel vorweisen kann, fragt man sich bei Howard langsam, ob das “Kind im Mann” den sportlichen Erfolg blockiert …

Kann man einen Spieler ernst nehmen, der in einem Interview über seine Darmtätigkeit philosophiert? Der erst mit ernster Miene und dann einem vielsagenden Lächeln der Reporterin erklärt, dass der Gang zum weißen Porzellanthron zu seinem Pregame Ritual gehört? Weil erst das Schlechte aus dem Körper raus muss, damit der im Spiel Gutes abliefern kann. Einen Spieler, der beim Training leidenschaftlich gerne Körpergase ausscheidet und seinen Trainer damit zur Weißglut treibt? Bei 99 Prozent aller NBA-Spieler würde man über solche Marotten nur den Kopf schütteln und mit der Hand wahrscheinlich abwertende Wisch- oder Zeigefingerbewegungen im Gesichtsfeld vollführen. Bei Dwight Howard aber, dem Urheber dieser Aussage, dürfte die Reaktion eher in Richtung “typisch” oder “witziger Typ” tendieren. Weil man den Big Man der Orlando Magic längst kennt: als Scherzkeks, Ulknudel und Sprücheklopfer. Dabei ist der Mann eigentlich Basketball-Profi. Und genau diese Kombination könnte zum Problem werden.

Denn kann man einen Spieler wirklich ernst nehmen, dem auf einem Basketball-Court die ultimative Demütigung wiederfährt? Und der sich dafür auch noch freiwillig zur Verfügung gestellt hat? Als Howard während des Dunk-Contests im Februar beim All-Star-Weekend in Phoenix nicht nur bei in seinen eigenen Dunks, sondern auch als Accessoire für die Performance von Siam-Zwerg Nate Robinson auf dem Parkett auftauchte, hat er für nicht wenige Kritiker eine unsichtbare Linie überschritten. Natürlich war es witzig, dass er sich als zu überspringende Barrikade zur Verfügung gestellt hat. Aber er hat sich eben auch von einem Spieler überspringen lassen. Von einem, der in der regulären Saison sein Gegner ist. Der ihm zudem mit dem heiligsten Körperteil des Mannes den Kopf “gestreichelt” hat. Ein Akt, der in einder Macho-Welt der NBA eine psychologische Bedeutung haben könnte. Selbst wenn es nur dazu führen sollte, dass Gegenspieler mit ein klein bisschen weniger Ehrfurcht vor den Muskelmassen des Centers die Zone attackieren. Oder andersrum gefragt: Hätte sich ein Michael Jordan seinem Widersacher Dominique Wilkins beim Dunk-Contest zur Verfügung gestellt? Würde Kobe Bryant als schmückendes Beiwerk für eine LeBron-Dunk-Show antreten? Wohl kaum. Wäre auch völlig albern. Und noch eins: Kann man einen Spieler ernst nehmen, der sich öffentlich damit brüstet, großer Fan einer Zeichentrickfigur zu sein? Nicht Spiderman, oder Bart Simpson – nein, ein kleiner Fisch namens Nemo. “Ich glaube, dass eine Menge Spieler diesen Film guckt”, behauptet Howard. “Es will nur keiner zugeben.” Die werden sich auch vor so einer Aussage hüten.” Erfrischende Abwechslung Auch wenn Image nicht alles ist in dieser Liga, so spielt es doch eine wichtige Rolle. Wir reden hier nicht von der Außenwirkung. Der gemeine Fan wird Howard als erfrischende Abwechslung zum austauschbaren Spieler-Allerlei wahrnehmen. Und das ist auch gut so. Aber reden wir von sportlichen Zielen. Von der Tatsache, dass Dwight Howard einen Status erreicht hat, der ihn nicht nur als besten Center der stärksten Liga der Welt auszeichnet, sondern auf ein Superstar-Level hievt, bei dem die Gespräche zwangsläufig in Richtung Titelgewinn gehen. Howard muss diesen nächsten Schritt gehen. Aber reicht dafür sportliche Dominanz? Schon jetzt gibt es kaum einen Spieler, der sich physisch mit dem 2,11-Meter-Mann messen kann. Es braucht mehr. Man kann es Respekt nennen. Ehrfurcht. Oder Angst! Howard ist gerade dabei, dieses Charisma, diese Ausstrahlung einder zubüßen. Wer hat schon Respekt vor einem sportlichen Highflyer, der ständig grinst und für jeden ein freundliches Wort übrig hat, selbst wenn er kein Magie-Jersey trägt? Hat man vor Spiel sieben der Finals Angst vor einem Muskelmonster mit dem Gemüt eines Kleinkinds? Das sagt, dass es “mir am wichtigsten ist, jeden Abend rauszugehen und Spaß zu haben”? Niemand wird ihm deswegen den nötigen Ehrgeiz absprechen. Ohne diesen entwickelt sich niemand zum Leistungsträger eines NBA-Teams. Aber selbst Shaquille O’Neal, der Mann, mit dem der Magie-Center aufgrund des muskulösen Körpers und dem Hang zum kindlichen Rumalbern oft verglichen wird, war zu seinen dominantesten Zeiten auf dem Court stets ein absoluter Killer. Man erinnere sich an seine furchteinflößenden “Shaq-Fu-Moves”. In entscheidenden Momenten wich bei Shaq das breite Grinsen einem bösen Grollen. Isiah Thomas und Magie Johnson sind weitere Beispiele dieser Kategorie. Kein Gegenspieler hat deren freundlich lächelndes Antlitz je als fehlenden Killerinstinkt interpretiert. “Er lächelt dich an und versucht, dir dann das Herz rauszureißen”, hat Michael Jordan einmal gesagt. Über Magie Johnson. ImZusammenhang mit Dwight Howard fehlen solche Kommentare. Es sieht nicht so aus, als würde die versammelte NBA-Garde vor Howard zittern. Die Zahlen sprechen für sich Die andere Seite der Medaille sind die Zahlen. Darf manwirklich einen Spieler kritisieren, der die Liga in Rebounds (13,9) und Blocks (3,0) anführt? Die Rebounds waren schon lange Standard. Darauf musste er sich nicht mal so sehr konzentrieren. Das lief einfach so. Für einen Spieler seiner Größe und Athletik sicher nicht die schwerste Übung. Das eigentliche Kunststück besteht aber darin, ein überragender Rebounder UNDShot-Blocker zu sein. Spezialisten auf dem einen oder den anderen Gebiet gab und gibt es viele. Aber gleich in beiden Bereichen ist eher ungewöhnlich. Begründung: Konzentriert man sich auf den Block, verlässt man in 90 Prozent der Fälle die ideale Position für den Rebound. Gelingt der Block nicht, ist nämlich auch oft der Rebound futsch. Mit der Athletik eines Dwight Howards kann man die suboptimale Position zumindest ausgleichen. Wenn Einsatz und Einstellung stimmen. Dass die sich positiv verändert hat, zeigt eben dieser Schnitt, der mehr als einen satten Block über dem Karriere-Schnitt liegt.

Ich versuche inzwischen, einfach jeden Wurf zu blocken, selbst wenn es Goaltending sein sollte”, erklärt der 120-Kilo-Mann, der als fünfter Spieler in die Geschichte eingehen könnte, der die NBA in Blocks und Rebounds angeführt hat (siehe Kasten). Kann man einen Spieler und die Titelchancen eines Teams anzweifeln, das mit einer Bilanz von 74 Prozent zu den drei besten Teams der wiedererstarkten Eastern Conference gehört? Es ist kein großes Geheimnis, dass man in Orlando eine einfache Gleichung aufgestellt hat. Man nehme einen dominanten Big Man, der die meiste Zeit zwei Verteidiger auf sich zieht, umgebe ihn mit starken Dreierschützen und lasse es von Downtown regnen. Doch wer die Magic-Spiele verfolgt, muss erkennen, dass es bei Howard mit dem Passen aus dem Doppeln noch ein wenig hapert. Der mickrige Assist, den der Modellathlet pro Spiel einsammelt, untermauert das schwarz auf weiß. Howard ist jung genug, um diesen Aspekt des Spiels besser zu verstehen und zu nutzen. Und dann? Kann man einen Spieler unterschätzen, der über eine Physis verfügt, die in der Geschichte der NBA wahrscheinlich ihresgleichen sucht? Dabei geht es nicht mal um den massigen Bizeps, den sich der 23-Jährige in kürzester Zeit seiner Liga-Zugehörigkeit antrainiert hat, sondern um die athletischen Fähigkeiten. Auch wenn es eine reine Spaßveranstaltung ist, so haben die beiden Slam-Dunk-Contests, an denen Howard in den letzten zwei Jahren teilgenommen hat, Symbolkraft. Es kommt nicht von ungefähr, dass diese Veranstaltung eine von Guards und eleganten Forwards dominierte Show ist. Big Men haben immer wieder daran teilgenommen und immer wieder steif, unbeweglich und peinlich gewirkt – bis Dwight Howard kam! Egal ob legendärer Superman- ” Dunk, mit seitlichem Bounce vom Backboard oder auf erhöhtem Korb, Howards Dunks scheinen die Naturgesetze ebenso auszuhebeln wie die des Konkurrenten Nate Robinson. Wie kann man einen Spieler nicht ernst nehmen, der seine Position schon jetzt mit nur einem einzigen Move dominiert? Denn wenn wir ehrlich sind, dann läuft Dwight Howards Game noch immer unter der simplen Formel “Außer Dunks nichts gewesen”.

Kein Spieler rammt den Ball öfter durch den Ring als der Big Mander Magic. Und das bereits im vierten Jahr in Folge! Beim Break, nach Offensiv-Rebounds oder wenn ihm die Mitspieler den Ball in unmittelbarer Nähe auflegen. Und ist es kein Dunk, dann eben ein anderer Power-Move in Korbnähe, gerne garniert mit einem netten Spin Move. Klar, die Ansätze eines kleinen Hookshots sind erkennbar, aber das Ding erinnert eher an Robert Maras als an Kareem Abdul-Jabbar. Von einem Midrange-Jumper ganz zu schweigen. Für keinen Superstar der Liga werden so wenige Spielzüge gelaufen wie für Howard. Selbst wenn das doch der Fall sein sollte, sind es nicht selten Alley-Oop-Plays, die von der Athletik des Centers profitieren. Um zu unterstreichen, wie limitiert Howard offensiv ist, reicht eine einzige Statistik. Rund 64 NBA-Akteure nehmen pro Spiel mehr Würfe als der Magic-Center. Aber: Wie kann man einen Spieler nicht ernst nehmen, der sich nicht nur als jüngster Rebounding-Champ in den Geschichtsbüchern verewigt hat, sondern der selbst im fünften NBA-Jahr der jüngste Spieler seines Teams ist? Denn in jeglicher Hinsicht zeigt Howards Alter, dass er noch jede Menge Zeit und Potenzial hat. Für Entwicklung auf sportlicher wie auch persönlicher Ebene. Die sportliche Dominanz und der Status als bester Center, Rebounder und Shot-Blocker sowie athletischster Big Man der Liga lassen einen halt leicht vergessen, dass die aktuelle Saison Howards Rookie-Saison wäre, wenn er sich für eine vierjährige College-Karriere (wie Spurs-Forward Tim Duncan) entschieden hätte. Dazu kommt die alte Weisheit, dass Big Men länger brauchen, um ihr Potenzial auszuschöpfen, etwa bis zum 30. Lebensjahr. Dwight Howard bleiben also noch sieben Jahre, um seine Freiwurfschwäche (61 Prozent) abzulegen, sein Offensiv-Potenzial zu erweitern und das ewige Grinsen aus dem Gesicht zu wischen. Wenn das überhaupt nötig werden sollte. Denn wie kann man einen Spieler nicht ernst nehmen, der auch aus den härtesten Kämpfen in der Zone mit einem Lächeln herausgeht? “Ich erinnere mich an ein Spiel, bei dem ihn die Nuggets wirklich hart angingen”, erzählt Magic-Assistentcoach Patrick Ewing. “Und einer der Spieler kommentierte nur entnervt, dass diesem Howard mal jemand sagen muss, er solle endlich aufhören zu grinsen.” Es gibt nicht wenige, die glauben, dass ihm gar keine andere Wahl bleiben wird, wenn er Meister werden will. “Ich habe lange mit ihm gekämpft, ihm versucht zu erklären, dass er zu viel lächelt”, sagt Orlandos GM Otis Smith. “Aber ich habe erkannt, dass Dwight einfach anders ist. Er möchte ein Megastar sein und trotzdem ein normaler Mensch bleiben. Ich denke, das ist unmöglich.” Wir werden sehen …

NBA: Dwyane Wade: Feuer & Flamme

Mittwoch, 9. Juni 2010

Zu abgehoben, zu verletzungsanfällig, zu schlecht: Dwyane Wade wurde schon abgeschrieben. Doch der Guard tönte vor der Saison: “Die Kritik macht mich stärker!” Als NBA-Topscorer hat er 2008/09 tatsächlich allen Kritikern das Maul gestopft. Und sein Weg scheint noch lange nicht zu Ende.

Fast drei Jahre musste Dwyane Wade auf diesen Augenblick warten. 34 Monate voller Rückschläge, schmerzhafter Verletzungen und herber Enttäuschungen lagen hinter dem Shooting Guard, ehe er endlich wieder einmal jubeln durfte, wenn es um die Wurst geht: in den Playoffs. Mit seinen Miami Heat feierte er im zweiten Erstrunden-Duell mit den Atlanta Hawks am 23. April endlich wieder einen Sieg. Eigentlich kaum zu glauben: Es war tatsächlich der erste Erfolg für Wade und die Heat in einem Postseason-Spiel seit dem Final-Triumph im Juni 2006! Wie schnell die Zeit vergeht. Drei Jahre – schon im normalen Leben eine große Spanne und erst recht im hart umkämpften NBABusiness. In drei Jahren werden komplette Franchises Tausende Kilometer durch die USA transferiert, ganze Spielerkader ausgetauscht und aus Loser-Teams Titelkandidaten (und umgekehrt). Aber ein Finals-MVp, der nach dem größten Erfolg seiner Karriere drei Jahre auf den nächsten Playoff-Sieg warten muss? Nicht auf einen Meisterschaftstriumph oder den Einzug in die zweite Runde, sondern einen einzigen Erfolg in einem einzigen Postseason-Game? Das hat es in der langen NBA-Geschichte noch nie gegeben! Ein Finals-MVp, also ein ausgewiesener Winner, war in der Liga-Historie immer auch in den nächsten Jahren im Meisterschaftsrennen am Start. Es sei denn, er war wie Bill Walton dauerverletzt oder hat wie Michael Jordan seine Karriere beendet. Kein Wunder also, dass die Erleichterung bei Wade nach dem ersten Teilerfolg gegen die Atlanta Hawks gigantisch war. “Für mich war es wichtig, endlich einmal wieder zu gewinnen”, erklärte Wade nach dem 108:93-Auswärtserfolg, zu dem er 33 Punkte beisteuerte. Dabei zeigte sich wieder einmal der Wert des Superstars: Es war das 18. Mal in 19 Partien, dass die Heat gewonnen haben, wenn “D-Wade” mindestens 30 Zähler aufgelegt hat.

Die Rückkehr des Königs

Die Leidenszeit von Dwyane Wade ist also erst mal vorbei. Gleichgültig, wie weit der Shooting Guard seine Heat in der Postseason führen wird – Wade hat sich 2008/09 mehr als eindrucksvoll zurückgemeldet. Er ist zurück im elitären Kreis der weltbesten Spieler. Nach den zwei verlorenen Saisons 2006/07 und 2007/08 wird der All Star wieder in einem Atemzug mit den ganz Großen genannt. Der Heat-Akteur hat nicht nur statistisch betrachtet die mit Abstand stärkste Spielzeit seiner Karriere absolviert, er war auch einer der heißesten MVP-Kandidaten 2008/09. “Ich weiß nicht genau, auf was die MVPVoter bei der Stimmabgabe achten”, sagt Cavs-Star LeBron James. “Aber egal, was es ist: Dwyane hat es.” Und Suns-Coach Alvin Gentry ergänzt: “Dwyane ist der beste Shooting Guard in der NBA. Er hat ein großartiges Comeback gefeiert.”

Wie stark D-Wade aufspielt, zeigen die unzähligen Highlights, die er in dieser Saison abgeliefert hat. Egal ob knallharte Dunks, spektakuläre Blocks oder eiskalte Buzzer-Beater: “Flash” zeigte in den vergangenen Monaten das komplette Programm an Superstar-Moves. Den hilflosen New York Knicks schenkte er etwa im Februar beim 120:115-Sieg satte 46 Punkte ein – und drehte das Spiel, bei dem die Heat im vierten Viertel schon mit 15 Zählern hinten gelegen hatten, mit 24 Punkten im Schlussabschnitt fast im Alleingang. Gegen die Bulls traf er gleich zwei spektakuläre Würfe beim 130:127- Erfolg nach zweimaliger Overtime: Einen Dreier zur Verlängerung und dann noch einen aus dem Lauf zum Sieg! Die Knicks versenkte er anschließend im April mit seiner persönlichen Bestleistung von 55 Punkten – und verzichtete sogar darauf, den Heat-Franchise-Rekord (56 Punkte, Gien Rice) zu brechen: Kurz vor Ende der Partie passte Wade uneigennützig zu seinem Teamkollegen Mario Chalmers, anstatt selbst den Abschluss zu suchen. “Es ist schon fast unverschämt, wie Wade spielt”, lobte Knicks-Coach Mike D’Antoni nach der Mega-Performance. “Er geht in dieser Saison unglaublich fokussiert zu Werke. Es ist unmöglich, ihn zu stoppen. Zurzeit sehen wir den besten Wade, den es je gab.” Und Kobe Bryant sagt leicht metaphorisch: “Dwyane spielt wie eine höllische Fledermaus, die nicht zu fangen ist.”

Das zeigen auch die Saison-Stats: Mit 30,2 Punkten war der Superathlet zum ersten Mal Topscorer der Liga, erzielte zudem 5,0 Rebounds und war mit 7,5 Assists der beste Ballverteiler unter den Shooting Guards. Und das ist noch lange nicht alles: Mit 49,1 Prozent traf er so gut wie noch nie aus dem Feld und versenkte zudem immerhin 31,7 Prozente seiner Dreierversuche. Aus der einstigen Schwachstelle – dem Distanzschuss – ist also inzwischen eine annehmbare Waffe geworden. “Bislang war es immer unser Ziel, Wades Zug zum Korb zu verhindern und ihn schießen zu lassen”, erklärt Cavs-Coach Mike Brown. “Jetzt haben wir eine andere Taktik: Wir versuchen weiterhin seinen Drive zu verhindern – und beten dann, dass er nicht aus der Distanz trifft.” Aber das ist noch längst nicht alles. Auch seine Defense hat Wade auf ein neues Level gehoben. Der schnelle Guard verteidigt deutlich besser und engagierter als in den vergangenen Jahren und gehört bei den Blocks sogar zu den Spezialisten: Als erster Spieler in der NBA-Geschichte, der kleiner als 1,95 Meter ist, hat er mehr als 100 gegnerische Würfe in einer Saison abgeräumt. Bei der Wahl zum besten Verteidiger des Jahres landete der Guard hinter Dwight Howard und LeBron James auf Platz drei. Kurz gesagt: Flash ist zurück in Miami! Er hat seinen Kritikern, die ihn bereits abgeschrieben hatten, das Maul gestopft. Und zwar gehörig. “Es war ein langer, steiniger Weg zurück. Aber ich habe auch nie verstanden, warum ich in den vergangenen Jahren so angegangen worden bin”, erklärt Wade selbst. “Schließlich war ich verletzt. So schnell wie ich wurde noch niemand abgeschrieben. Aber egal, die Kritik der vergangenen Jahre hat mich nur wütend gemacht. Ich war sauer und wollte allen zeigen, was ich draufhabe. Ich denke, das ist mir jetzt gelungen.”

Absturz in Rekordzeit

Bei allen Highlights, Lobeshymnen, Topstatistiken und aller berechtigten Freude über die Topsaison des 27- Jährigen: Die Kritik an ihm in den vergangenen beiden Jahren war mehr als berechtigt! Denn für viele sah es so aus, als würde Wade für den Höhenflug seiner ersten drei NBA-Jahre – vom fünften Draft-Pick 2003 über die RookieÜberraschung bis hin zum Finals- MVP – den Preis bezahlen. Wade war ständig verletzt und verpasste wegen Schulter- und Knieproblemen 2006/07 sowie 2007/08 jeweils 31 Spiele.

weil Co-Star Shaquille O’Neal grottenschlecht spielte! Als der Center während der nächsten Saison getradet wurde, folgte dann der Absturz ins Bodenlose: 65 Niederlagen kassierte Miami 2007/08 – die Heat waren das schlechteste Team der Liga. Ein unfassbarer Absturz in so kurzer Zeit! Logisch, dass sich die Kritiker über die Heat im Allgemeinen und Wade im Speziellen das Maul ordentlich zerrissen. “Wade ist nur noch ein Schatten seiner Selbst und wird nie wieder der Alte”, ätzten die einen. “Es ist traurig, ihn so spielen zu sehen”, erklärten die anderen. Und auch in dieser Saison: “Die Heat werden es schwer haben, sich für die Playoffs zu qualifizieren.”

Alleinunterhalter Wade

Dass es anders kam und die Heat mit 43 Saisonsiegen als Fünfter im Osten in die Playoffs gestartet sind, ist einzig und allein der Verdienst von Dwyane Wade. Denn der Guard ist bei den Heat der Mann für alle Fälle. Scoren, rebounden, Bälle verteilen, motivieren, die jungen Mitspieler führen, verteidigen und in der Crunchtime das Team zum Sieg schießen. Das alles und noch viel mehr war 2008/09 die Aufgabe des 1,93 Meter “kleinen” Mannes. “Bei den Heat schauen alle auf mich”, weiß Wade um den gewaltigen Druck. “Im Locker-Room bin ich der Motivator, und auch auf dem Feld stehe ich im Fokus. Aber solange ich fit bin und auf dem Court mein Können zeigen kann, ist das okay für mich.” Kaum ein Spieler in der Liga ist für sein Team so wichtig wie der Heat-Zocker mit der Trikotnummer drei. Logisch, dass das T-Shirt “MV3″ in Miami ein echter Topseiler ist.

Natürlich ist das Mega-Comeback plausibel zu erklären. Der Hauptgrund ist die wiedergewonnene Fitness des Musterathleten. Erstmals in seiner NBA-Karriere blieb der 98-Kilo-Mann weitgehend verletzungsfrei. Und erstmals bestritt er 79 Saisonspiele – nur beim unbedeutenden Saisonfinale pausierte er zwei Mal. Zuvor musste er nur ein Mal im Märzwegen Hüftproblemen passen.

Das Wade wieder so frisch wie ein Rookie ist, liegt vor allem an einem Mann, der schon dafür gesorgt hat, dass NBA-Legende Michael Jordan mit 38 Jahren noch sein zweites Comeback feiern konnte. Fitness-Guru Tim Grover schuftete nämlich im Sommer acht Wochen lang jeden Tag in Chicago mit dem Heat-Star. “Vorher hatte ich Zweifel, ob ich jemals wieder der Alte werden kann”, erklärt Wade kleinlaut. “Ich war schwer an der Schulter und am Knie verletzt, hatte zwei Jahre in Folge jede Menge Spiele verpasst. Woher sollte ich wissen, wie es weitergeht?” Doch Grover macht den verletzungsanfälligen Star wieder topfit. Dabei stand vor allem die Stärkung der Ober- und Unterkörpermuskulatur auf dem Programm – denn nur mit einem optimal austrainierten Körper ist Wade optimal vor Verletzungen geschützt. “Ich habe gemerkt, dass ich älter werde und nicht mehr alles so schnell wegstecke”, erzählt der 27-Jährige. Also musste ich mehr Zeit in meinen Körper investieren.” Grover analysierte monatelang den Bewegungsablauf und die Schwachstellen an Wades Body und besorgte sich eigens für seinen wertvollen Klienten neues Equipment im Wert von über 200.000 Dollar.

Doch schon bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Peking wurde schnell klar: Das Training hat sich ausgezahlt! Wade spielte glänzend auf und wurde Topscorer im Team USA – und das, obwohl unter anderem LeBron James und Kobe Bryant im Dream Team dabei gewesen sind. Wade hatte seine Aggressivität wieder – auch, weil er seinem Körper wieder voll vertrauen konnte. “Viele haben gedacht, ich hätte verlernt, wie man Basketball spielt. Dabei habe ich trotz Verletzungen immer noch 24 Punkte und sechs Assists im Schnitt erzielt. Jetzt bin ich wieder in einer Position, in der ich mich mein ganzes Leben befunden habe: Ich bin Underdog und werde allen zeigen, zu was ich in der Lage bin.” Und Wade hat seinen Worten schnell Taten Folgen lassen. Nicht nur als Einzelspieler, sondern auch als Mannschaftssportler. Denn sein größter Verdienst 2008/09 war es sicherlich, das junge Heat-Teamzusammenzuhalten und zu führen. Schließlich stehen neben Wade fast nur unerfahrene Youngster wie die Rookies Michael Beasley oder Mario Chalmers in der Mannschaft. Außer Center Jermaine O’Neal und den beiden selten genutzten Backups Jamaal Magloire und Mark Blount hat schließlich keiner im Team mehr als fünf Jahre NBA-Erfahrung! Eine ganz andere Situation als beim Titelgewinn 2006, als Wade fast noch der Jüngste in der Mannschaft war.

2008/09 ist Wade also auch als Leader gewachsen. “Viele Leute unterschätzen, wie schwer es ist, für alles im Team verantwortlich zu sein”, erklärt Kobe Bryant vom Liga-Rivalen LA Lakers. “Man muss sich ständig um jede Sache kümmern.” Diese Erfahrung musste auch D-Wade jetzt machen.

Parallellelen zu Kobe

Nur, bei aller Euphorie: Die Saison 2008/09 kann nur der erste Schritt für Wade 2.0 gewesen sein! Natürlich hat er eindrucksvoll bewiesen, dass er ein Team im Alleingang in die Playoffs führen kann, doch zu einem echten Topteam der Marke Cleveland Cavaliers oder LA Lakers fehlt den Heat noch eine ganze Menge.

Wade, der mit 24 Jahren schon Champion war, befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Lakers-Star Kobe Bryant vor ein paar Jahren: Auch der hatte schon in jungen Jahren mit einer Star-Truppe große Erfolge gefeiert, nur um in den Jahren danach festzustellen, wie schwer es ist, den Anführer zu spielen. Denn eine Meisterschaft kann in der NBA kein Spieler im Alleingang gewinnen. Auch kein Wade. Wade muss es in Zukunft also schaffen, seine Teamkollegen besser ins Spiel zu bringen. Wenn das gelingt und die Verantwortlichen im Sommer noch einen oder zwei etablierte Akteure an Land ziehen, können die Heat ähnlich wie die Lakers und die Cavscden nächsten Schritt gehen. Wade muss dann aber auch den richtigen Rhythmus zwischen scoren und passen finden.

Keine leichte Aufgabe für den Superstar, der vor Selbstbewusstsein strotzt. Aber wer nach einer langjährigen Durststrecke ein solches Comeback gefeiert hat, ist sicherlich auch dazu in der Lage. Vielleicht kann sich der NBATopscorer ja im Sommer noch einmal steigern. Obwohl das dann schon fast beängstigend wäre …

NBA: Die 50 größten Skandale in der Geschichte der NBA

Donnerstag, 20. Mai 2010
Es sind Nachrichten, die die Basketballwelt erschüttern. Spieler, die sich einfach nicht unter Kontrolle haben. Die auf ihre Gegenspieler, Trainer, Schiedsrichter und sogar Fans losgehen. Andere kommen mit dem Erfolg nicht zurecht und verfallen dem Alkohol, Drogen, Glücksspiel. Im Laufe der NBA-Geschichte haben einige Profis ihre Vorbildfunktion völlig verfehlt und fielen durch Negativ-Schlagzeilen auf.
Unter den Übeltätern befinden sich auch Superstars wie Michael Jordan, und Kobe Bryant. Was beweist: Niemand ist unfehlbar. Und los geht’s mit den skurrilen Geschichten …
1. The Brawl: Im November 2004 kam es beim Spiel Indiana Pacers gegen Detroit Pistons zu einer heftigen Massenschlägerei zwischen Spielern und Fans. Insgesamt wurden beim “Malice at the Palace” neun Spieler gesperrt. Pacers-Forward Ron Artes läste den Tumult aus, als er von einem Bierbecher aus dem Publikum getroffen wurde. Die NBA sperrte ihn für den Rest der Saison (73 Spiele).
2. Unter der Gürtellinie: Jason Williams (NBA-Champ 2006 mit den Miami Heat) bleibt vor allem den chinesischen Fans in schlechter Erinnerung. Ohne erkennbaren Grund beschimpfte er einen chinesischen Zuschauer aufs Übelste: “Ich werde euch alle erschießen. Genau so wie im Vietnam-Krieg.” Der Point Guard musste 15.000 Dollar Strafe zahlen.
3. Angeklagt: Im Jahr, 2003 sorgte auch Kobe Bryant für Negativ-Schlagzeilen. Eine Hotelangestellte aus Eagle (Colorado) klagte ihn der Vergewaltigung an. Der Prozess zog sich über elf Monate hin, bis die Anklage zurückgezogen wurde, da die Frau aus unbekannten Gründen nicht mehr aussagen wollte. Trotzdem ein herber Image-Schaden für den Lakers-Star.
4. Wettskandal: Im Jahr 2007 wurde einer der größten Wettskandale der Sport-Geschichte in der NBA aufgedeckt. Referee Tim Donaghy hatte seit 2003 auf etwa die Hälfte seiner geleiteten Spiele gewettet und diese somit manipuliert: 15 Monate Haftstrafe.
5. Europa trauert: Der bis dahin beste europäische NBA-Spieler Drazen Petrovic stirbt 1993 im Alter von 28 Jahren in der Nähe von Ingolstadt, als er mit seinem Auto durch einen Sturm auf die Gegenfahrbahn getragen wird und mit einem Truck zusammenstößt. Der Jugoslawe stand damals in New Jersey unter Vertrag und spielte zuvor für die Portland Trail Blazers.
6. The Punch: Beim Spiel der Lakers gegen die Rackets am 9. Dezember 1977 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Kermit Washington (Lakers) und Kevin Kunnert (Rackets). Als Rudy Tomjanovich seinem Mitspieler Kunnert zu Hilfe eilte, reagierte Washington instinktiv, im Glauben, er würde von Tomjanovich angegriffen werden, und schlug ihm so heftig ins Gesicht, dass sämtliche Gesichtsknochen brachen. Tomjanovich musste ein halbes Jahr pausieren und Oberlebte nur knapp.
7. Lockout: Ein Konflikt über die Gehaltsvorstellungen zwischen den Teambesitzern und der Spielergewerkschaft führte dazu, dass die NBA ihren Spielbetrieb 1998/99 zunächst einstellen musste. Durch eine kurzfristige Einigung im Januar 1999 konnten immerhin nach 50 (statt 82) Spiele absolviert werden.
8. The Menace: Während eines Spiels der Saison 1996/97 in Minnesota hechtete Bulls-Forward Dennis Rodman einem Ball hinterher und landete fast auf einem Kameramann. Über diesen regte er sich dermaßen auf, dass er ihm einen harten Tritt in die “Kronjuwelen” verpasste. Die Folge: elf Spiele Sperre und 25.000 Dollar Strafe.
9. Abgestochen: Als sich Paul Pierce am Abend des 25. Septembers 2000 in einer Disco mit einer Frau unterhielt, ahnte er nicht, dass sie die Schwester eines Gang-Mitglieds war. Drei Männer griffen den Celtics-Guard von hinten an, stachen mit einem Messer mehrfach auf ihn ein und verfehlten nur knapp sein Herz. In der Notaufnahme konnte ihm gerade noch das Leben gerettet werden.
10. Homophobie: Nach dem Ex-NBA-Center John Amaechi sich im Februar 2007 als erster Spieler der Liga zur Homosexualität bekannt hatte, erntete er nicht nur Anerkennung, sondern auch Verachtung. Ex-Heat-Guard Tim Hardaway reagierte am krassesten: “Ich hasse Schwule. So einen möchte ich nicht im Team haben.”
11. Lama: NBA-Rüpel Charles Barkley ließ sich 1990 . von einem Fan dermaßen aus der Fassung bringen, dass er auf ihn zulief, um ihn anzuspucken. Er verfehlte allerdings sein Ziel und traf stattdessen ein unschuldiges, achtjähriges Mädchen. Barkley zahlte 10.000 Dollar Strafe und entschuldigte sich bei dem Kind.
12. Tree Bites Man: 1983 biss AtIantas Wayne “Tree” Rollins seinem Gegenspieler Danny Ainge (Boston) in den Finger,der mit fünf Stichen genäht werden musste. Rollins wurde für fünf Spiele gesperrt, eins für jeden Stich.
13. Der Würger von Oakland: im Dezember 1997 eskalierte ein Streit zwischen Latrell Sprewell (Golden State Warriors) und seinem Coach P.J.Carlesimo. Sprewell würgte seinen Trainer mehrere Sekunden lang und drohte, ihn umzubringen. Mitspieler mussten ihn vom Trainer losreißen. Sieben Monate Sperre und ein Trade nach New York waren die Folge.
14. Autoparty: Das Blazers-Duo Damon Stoudamire und Rasheed Wallace hat Legendenpotenzial. Im November 2002 wurden die beiden von der Polizei wegen des auffallenden Marihuana-Nebels aus dem Auto angehalten. Auf die Frage, ob sie Gras dabei hätten, antwortete Wallace: “Wir haben alles aufgeraucht.” Dümmer – geht’s nicht!
15. Hurricane: Einer der schlimmsten Wirbelstürme aller Zeiten, Hurricane Katrina, zerstörte 2005 große Teile von New Orleans. Auch die Arena der Hornets 15 wurde beschädigt. Für zwei Saisons musste das Team nach Oklahoma City ausweichen.
16. Kanada Boykott: Steve Francis wurde beim Draft 1999 an zweiter Stelle von den Vancouver Grizzlies ausgewählt. Da er aber keine Lust hatte, in Kanada zu spielen, wurde er nach Houston getradet. Unprofessioneller geht’s nicht! Francis wollte Amerika um keinen Preis verlassen.
17. Sexuelle Belästigung: Die Isiah-Thomas-Ära bei den New York Knicks sorgte für negative Schlagzeilen auf und abseits des Courts. 2006 wurde er der sexuellen Belästigung einer Mitarbeiterin des Madison Square Gardens angeklagt. Das Opfer erhielt 11,6 Millionen Dollar Entschädigung, die allerdings nicht Thomas blechen musste, sondern sein Arbeitgeber.
18. Drogenopfer: Mavs-Forward Roy Tarpley wurde 1991 wegen Kokainmissbrauchs für drei Jahre gesperrt. Nach seiner Rückkehr vergeigte der Center auch seine zweite Chance, dieses Mal wegen Alkohol. Er wurde von^der NBA lebenslänglich gesperrt.
19. Ballwechsel: Zur Saison 2006/07 präsentierte der langjährige Ausstatter Spalding einen neuen Hightech-Spielball. Da sich die Spieler aber über das willkürliche Sprungverhalten und die rutschige Oberfläche, die sogar Verletzungen hervorgerufen hatte, beschwerten, wurde der Ball kurzerhand wieder gegen den alten Lederball ausgetauscht.
20. Strip-Club: Knicks-Legende Patrick Ewing musste 2001 als Zeuge gegen einen Strip-Club-Besitzer aussagen, der der illegalen Prostitution angeklagt wurde. Ewing gab zu, mit zwei Frauen Oralsex gehabt zu haben. Auch andere NBA-Stars waren in den Fall involviert.
21. Trauriger Rekord: Gegen Allen Iverson wurden im Jahr 2002 14 Anklagen an einem einzigen Tag erhoben. Der damalige Sixers-Star war bewaffnet in das Appartment seines Cousins eingebrochen und auf der Suche nach seiner Frau gewesen. Alle Punkte wurden fallen gelassen, da niemand gegen ihn aussagen wollte.
22. Mysteriös: Bison Dele (früher Brian Williams), beendete seine NBA-Karriere 1999 im Alter von 30 Jahren überraschend, um die Welt zu erkunden. Von einer Segeltour 2002 kehrte jedoch nur sein Bruder lebend zurück. Sein Bruder flüchtete nach Mexiko, nachdem die Polizei ihn verdächtigt hatte, und beging dort Selbstmord.
23. Sexualverbrecher: Ruben Patterson. bekam zwei Jahre auf Bewährung, weil er eine Babysitterin zum Oralsex gezwungen hatte. Kein Hindernis für die Portland “Jail” Blazers, die ihn trotzdem mit einem Vertrag über 34 Millionen Dollar ausstatteten.
24.Dämlichste Verletzung: In der Saison 1990/91 verpasste Lionel Simmons zwei Spiele aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk. Er hatte zu lange Gameboy gespielt. Wie unprofessionell!
25. Mad Max: Vernon: Maxwell (Houston Rockets) _ ‘ machte 1995 seinem Spitznamen alle Ehre: Der Shooting Guard ging auf einen Fan los, der ihn angeblich verbal attackiert hatte, und schlug ihm ins Gesicht. Zehn Spiele Sperre und 20.000 Dollar Strafe.
26. Tragischer Autounfall: Im Jahr 2000 kam Malik Sealy, damals bei den Minnesota Timberwolves unter Vertrag, bei einem Autounfall im Alter von 30 Jahren ums Leben. Der Shooting Guard fuhr ohne Gurt und Airbag in seinem Sportwagen, als er von einem Truck erwischt wurde.
27. Herzleiden ignoriert: Im Sommer 1993 brach Bostons Reggie Lewis während eines Wurf trainings tot zusammen. Obwohl vorher bei ihm eine Herzkrankheit festgestellt worden war, ignorierte Lewis den ärztlichen Rat, auf Leistungssport zu verzichten. Er wurde nur 27 Jahre alt.
28. Sitzen geblieben: Der zum Islam konvertierte Mahmoud Abdul-Rauf (Denver Nuggets) weigerte sich während der Saison 1995/96, zur amerikanischen Nationalhymne aufzustehen. Seine Begründung: Die amerikanische Flagge und Hymne wären Symbole der Tyrannei. Einen Monat vor Saisonende reagierte die Liga und suspendierte den Point Guard. Nach zwei Spielen resignierte Abdul-Rauf und stand wieder auf.
29. Offene Fragen: Shooting Guard Ricky Berry von den Sacramento Kings nahm sich im August 1989 nach seiner Rookie-Saison im Alter von 25 Jahren das Leben. Er hatte am Abend zuvor einen heftigen Streit mit seiner Frau gehabt und hinterließ einen Abschiedsbrief, dessen Inhalt allerdings nie veröffentlicht wurde.
30. Milde Strafe: Jahr 1998 wurde Anthony Mason wegen Vergewaltigung von zwei Teenagern angeklagt. Er bekannte sich schuldig und bekam nur einige Jahre auf Bewährung inklusive 200 Stunden Sozialarbeit und konnte seine Karriere bei den Charlotte Hornets fortsetzen.
31. Frauenschläger: Point Guard Jason Kidd (damals Phoenix Suns) musste 2001 ein sechsmonatiges Anti-Aggressions-Programm absolvieren, nachdem er seine Frau Joumana geschlagen hatte, Mittlerweile sind die beiden geschieden.
32. Verwählt: toie im Jahr 2004 gerade neu gegründeten Charlotte Bobcats leisteten sich bei ihrer ersten Ticket-Kampagne eine amüsante Panne: Die vermeldete Telefonnummer führte versehentlich zu einer Sex-Hotline.
33. Im Gefängnis: Tom Payne spielte nur eine Saison, da er im Sommer 1971 nach seiner Rookie-Saison bei den Hawks im Alter von 21 Jahren wegen Vergewaltigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Dort sitzt der Wiederholungstäter noch immer.
24. Von der Zeit eingeholt: Während seiner College-Zeit an der University of Michigan hatte Chris Webber unerlaubterweise Geld aus illegalen Wettgeschäften angenommen. Erst im Jahr 2002 wurde er dafür verurteilt und nachträglich für acht NBASpiele gesperrt.
35. Rookie-Drama: Beim Draft 1986 wählten die Boston Celtics mit dem zweiten Pick Leonard “Len” Bias aus. Der 22-Jährige galt als riesiges Talent doch nur 48 Stunden später wurde der Rookie mit einer Überdosis Kokain tot aufgefunden.
36. Festgebissen: NBC Kult Kommentator Marv Albert sorgte 1997 für Schlagzeilen, als eine seiner Liebhaberinnen ihn anzeigte, weil er sie geschlagen und gebissen haben soll. Trotz Verurteilung wegen Körperverletzung kehrte er zwei Jahre später hinter das Kommentatorenpult zurück. Mittlerweile arbeitet er für TNT.
37. Sex-Tape: Wer hätte das gedacht, dass Julius Erving in einer Reihe mit Pamela Anderson und Paris Hilton steht? Im Januar 2004 tauchte bei der Zeitung “New York Post” ein Sex-Video von Dr. J. aus den 80er-Jahren auf. Angeblich hatte seine Frau das Band während ihrer Scheidungsschlacht der Zeitung zukommen lassen, Gut, dass es noch kein Youtube gab.
38: Zauber verpufft: Schock für die Basketballwelt im November 1991, Lakers-Superstar Earvin “Magie” Johnson erklärte seinen Rücktritt, weil er sich mit dem HI-Virus infiziert hatte. Seine letzten Auftritte waren das All-Star-Game 1992 und die Olympischen Spiele im selben Jahr sowie ein Comeback-Versuch in der Saison 8 1995/96. Mittlerweile haben sich die Viren bei ihm auf ein minimales Risiko zurückgebildet. Magie gewann mit den Lakers fünf Titel.
39. Lügenbold: Kurz vor Saisonbeginn 2008/09 tauchte Warriors-Guard Monta Ellis mit einer Verletzung am Knöchel auf und behauptete, sie sich beim Basketball zugezogen zu haben, Es stellte sich jedoch heraus, dass er einen Mopedunfall hatte. Ziemlich dreist, da er kurz zuvor einen 66 Millionen schweren Vertrag abgeschlOSsen hatte.
40. Hinter Gittern: Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner kam 2005 groB in die Presse, als def Verdacht geäußert wurde, dass ef über drei Millionen Euro aus Provisionsverlrägen mit seinem Superstar nicht versteuert haben sollte. Er wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt und hatte über einen Monat in Untersuchungshaft gesessen.
41. Trauerspiel: Ex-NBA-Forward Eddie Griffin starb 2007 im Alter von 25 Jahren bei einem Autounfall, als er von einem Zug erfasst wurde. Bis heute ist nicht geklärt, ob es Selbstmord gewesen ist. Griffin war früher schon aufgefallen, als er seiner Freundin mehrmals ins Gesicht geschlagen und sogar mit einer Pistole um sich geschossen hatte.
42. Wettrennen: Ein tragisches Ende nahm Hornets-Guard Bobby Phills im Alter von 30 Jahren. Im Januar 2000 lieferte er sich ein Autorennen mit Teamkollege David Wesley, geriet auf die Gegenfahrbahn und kam bei einem Crash ums Leben.
43. Kokser: Celtics-Forward Marvin Barnes gab zu, während der Saison 1978/79 auf der Ersatzbank Kokain zu sich genommen zu haben. Er vertuschte die Aktion mit einem Handtuch über dem Kopf. Obwohl es zunächst nicht aufgefallen war, musste Barnes seine Karriere ein Jahr später wegen seiner Drogensucht beenden. Er wurde lebenslänglich gesperrt.
44. Rookie-Skandal: Die frisch gebackenen NCM-Champs Mario Chalmers und DarreIl Arthur flogen aus dem Rookie-Entwicklungsprogramm 2008, nachdem sie auf ihrem Ho:elzinmer eine wikle Party mit Frauenbesuch gefeiert hatten. Kein guter Einstieg in die Welt der Profis.
45. Die Schattenseite von “MJ”: 1991 war kein gutes Jahr für Michael Jordan, zumindest privat nicht. Innerhalb von nur zehn Tagen verjubelte er über eine Million Dollar bei diversen Goltwetten. Im gleichen Jahr wurde publik, dass er eine Affäre hatte und seiner Liebhaberin 250.000 Dollar bezahlte, um diese vor seiner Ehefrau geheim zu halten.
46. Schlechte Verlierer: Bulls 1991 die Detroit Pistons in den Conference Finals mit 4:0 Spielen besiegt hatten, waren die Pistons-Akteure so beleidigt, dass sie schon kurz vor Ablauf der Spielzeit das Feld verließen.
47. Totschlag: 2002 wurde Ex-Nets-Center Jayson Williams wegen Totschlags verhaftet, weil er seinen Chauffeur erschossen haben soll. Vor Gericht argumentierte Williams, dass es ein Unfall gewesen war. Das endgültige Urteil ist bis heute noch nicht gefällt.
48. Doping-Affäre: Chis Andersen wurde 2006 wegen einer positiven Doping-Probe (Amphetamine) auffällig und für zwei Jahre gesperrt. Seit 2008 ist er wieder in der NBA aktiv.
49. Absprache: Die Timberwolves garantierten Joe Smith im Jahr 1999 einen zukünftigen Millionen-Vertrag, wenn er zunächst unter Marktwert unterschreibt, damit die T-Wolves noch weitere Deals einfädeln konnten. Minnesota wurden die fünf Erstrundenpicks entzogen und eine Geldstrafe von 3,5 Millionen Dollar aufgebrummt.
50. Außer Kontrolle: Nachdem 2003 ein Foul, gegen ihn gepfiffen worden war, rastete Pistons-Forward Rasheed Wallace aus und schmiss den Ball in Richtung Schiedsrichter. Dafür kassierte er auch noch ein technisches Foul. Nach dem Spiel wollte “Sheed” sogar auf den Referee losgehen, konnte aber abgehalten werden. Die Konsequenz: sieben Spiele Sperre.

Es sind Nachrichten, die die Basketballwelt erschüttern. Spieler, die sich einfach nicht unter Kontrolle haben. Die auf ihre Gegenspieler, Trainer, Schiedsrichter und sogar Fans losgehen. Andere kommen mit dem Erfolg nicht zurecht und verfallen dem Alkohol, Drogen, Glücksspiel. Im Laufe der NBA-Geschichte haben einige Profis ihre Vorbildfunktion völlig verfehlt und fielen durch Negativ-Schlagzeilen auf.

Unter den Übeltätern befinden sich auch Superstars wie Michael Jordan, und Kobe Bryant. Was beweist: Niemand ist unfehlbar. Und los geht’s mit den skurrilen Geschichten …

1. The Brawl: Im November 2004 kam es beim Spiel Indiana Pacers gegen Detroit Pistons zu einer heftigen Massenschlägerei zwischen Spielern und Fans. Insgesamt wurden beim “Malice at the Palace” neun Spieler gesperrt. Pacers-Forward Ron Artes läste den Tumult aus, als er von einem Bierbecher aus dem Publikum getroffen wurde. Die NBA sperrte ihn für den Rest der Saison (73 Spiele).

2. Unter der Gürtellinie: Jason Williams (NBA-Champ 2006 mit den Miami Heat) bleibt vor allem den chinesischen Fans in schlechter Erinnerung. Ohne erkennbaren Grund beschimpfte er einen chinesischen Zuschauer aufs Übelste: “Ich werde euch alle erschießen. Genau so wie im Vietnam-Krieg.” Der Point Guard musste 15.000 Dollar Strafe zahlen.

3. Angeklagt: Im Jahr, 2003 sorgte auch Kobe Bryant für Negativ-Schlagzeilen. Eine Hotelangestellte aus Eagle (Colorado) klagte ihn der Vergewaltigung an. Der Prozess zog sich über elf Monate hin, bis die Anklage zurückgezogen wurde, da die Frau aus unbekannten Gründen nicht mehr aussagen wollte. Trotzdem ein herber Image-Schaden für den Lakers-Star.

4. Wettskandal: Im Jahr 2007 wurde einer der größten Wettskandale der Sport-Geschichte in der NBA aufgedeckt. Referee Tim Donaghy hatte seit 2003 auf etwa die Hälfte seiner geleiteten Spiele gewettet und diese somit manipuliert: 15 Monate Haftstrafe.

5. Europa trauert: Der bis dahin beste europäische NBA-Spieler Drazen Petrovic stirbt 1993 im Alter von 28 Jahren in der Nähe von Ingolstadt, als er mit seinem Auto durch einen Sturm auf die Gegenfahrbahn getragen wird und mit einem Truck zusammenstößt. Der Jugoslawe stand damals in New Jersey unter Vertrag und spielte zuvor für die Portland Trail Blazers.

6. The Punch: Beim Spiel der Lakers gegen die Rackets am 9. Dezember 1977 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Kermit Washington (Lakers) und Kevin Kunnert (Rackets). Als Rudy Tomjanovich seinem Mitspieler Kunnert zu Hilfe eilte, reagierte Washington instinktiv, im Glauben, er würde von Tomjanovich angegriffen werden, und schlug ihm so heftig ins Gesicht, dass sämtliche Gesichtsknochen brachen. Tomjanovich musste ein halbes Jahr pausieren und Oberlebte nur knapp.

7. Lockout: Ein Konflikt über die Gehaltsvorstellungen zwischen den Teambesitzern und der Spielergewerkschaft führte dazu, dass die NBA ihren Spielbetrieb 1998/99 zunächst einstellen musste. Durch eine kurzfristige Einigung im Januar 1999 konnten immerhin nach 50 (statt 82) Spiele absolviert werden.

8. The Menace: Während eines Spiels der Saison 1996/97 in Minnesota hechtete Bulls-Forward Dennis Rodman einem Ball hinterher und landete fast auf einem Kameramann. Über diesen regte er sich dermaßen auf, dass er ihm einen harten Tritt in die “Kronjuwelen” verpasste. Die Folge: elf Spiele Sperre und 25.000 Dollar Strafe.

9. Abgestochen: Als sich Paul Pierce am Abend des 25. Septembers 2000 in einer Disco mit einer Frau unterhielt, ahnte er nicht, dass sie die Schwester eines Gang-Mitglieds war. Drei Männer griffen den Celtics-Guard von hinten an, stachen mit einem Messer mehrfach auf ihn ein und verfehlten nur knapp sein Herz. In der Notaufnahme konnte ihm gerade noch das Leben gerettet werden.

10. Homophobie: Nach dem Ex-NBA-Center John Amaechi sich im Februar 2007 als erster Spieler der Liga zur Homosexualität bekannt hatte, erntete er nicht nur Anerkennung, sondern auch Verachtung. Ex-Heat-Guard Tim Hardaway reagierte am krassesten: “Ich hasse Schwule. So einen möchte ich nicht im Team haben.”

11. Lama: NBA-Rüpel Charles Barkley ließ sich 1990 . von einem Fan dermaßen aus der Fassung bringen, dass er auf ihn zulief, um ihn anzuspucken. Er verfehlte allerdings sein Ziel und traf stattdessen ein unschuldiges, achtjähriges Mädchen. Barkley zahlte 10.000 Dollar Strafe und entschuldigte sich bei dem Kind.

12. Tree Bites Man: 1983 biss AtIantas Wayne “Tree” Rollins seinem Gegenspieler Danny Ainge (Boston) in den Finger,der mit fünf Stichen genäht werden musste. Rollins wurde für fünf Spiele gesperrt, eins für jeden Stich.

13. Der Würger von Oakland: im Dezember 1997 eskalierte ein Streit zwischen Latrell Sprewell (Golden State Warriors) und seinem Coach P.J.Carlesimo. Sprewell würgte seinen Trainer mehrere Sekunden lang und drohte, ihn umzubringen. Mitspieler mussten ihn vom Trainer losreißen. Sieben Monate Sperre und ein Trade nach New York waren die Folge.

14. Autoparty: Das Blazers-Duo Damon Stoudamire und Rasheed Wallace hat Legendenpotenzial. Im November 2002 wurden die beiden von der Polizei wegen des auffallenden Marihuana-Nebels aus dem Auto angehalten. Auf die Frage, ob sie Gras dabei hätten, antwortete Wallace: “Wir haben alles aufgeraucht.” Dümmer – geht’s nicht!

15. Hurricane: Einer der schlimmsten Wirbelstürme aller Zeiten, Hurricane Katrina, zerstörte 2005 große Teile von New Orleans. Auch die Arena der Hornets 15 wurde beschädigt. Für zwei Saisons musste das Team nach Oklahoma City ausweichen.

16. Kanada Boykott: Steve Francis wurde beim Draft 1999 an zweiter Stelle von den Vancouver Grizzlies ausgewählt. Da er aber keine Lust hatte, in Kanada zu spielen, wurde er nach Houston getradet. Unprofessioneller geht’s nicht! Francis wollte Amerika um keinen Preis verlassen.

17. Sexuelle Belästigung: Die Isiah-Thomas-Ära bei den New York Knicks sorgte für negative Schlagzeilen auf und abseits des Courts. 2006 wurde er der sexuellen Belästigung einer Mitarbeiterin des Madison Square Gardens angeklagt. Das Opfer erhielt 11,6 Millionen Dollar Entschädigung, die allerdings nicht Thomas blechen musste, sondern sein Arbeitgeber.

18. Drogenopfer: Mavs-Forward Roy Tarpley wurde 1991 wegen Kokainmissbrauchs für drei Jahre gesperrt. Nach seiner Rückkehr vergeigte der Center auch seine zweite Chance, dieses Mal wegen Alkohol. Er wurde von^der NBA lebenslänglich gesperrt.

19. Ballwechsel: Zur Saison 2006/07 präsentierte der langjährige Ausstatter Spalding einen neuen Hightech-Spielball. Da sich die Spieler aber über das willkürliche Sprungverhalten und die rutschige Oberfläche, die sogar Verletzungen hervorgerufen hatte, beschwerten, wurde der Ball kurzerhand wieder gegen den alten Lederball ausgetauscht.

20. Strip-Club: Knicks-Legende Patrick Ewing musste 2001 als Zeuge gegen einen Strip-Club-Besitzer aussagen, der der illegalen Prostitution angeklagt wurde. Ewing gab zu, mit zwei Frauen Oralsex gehabt zu haben. Auch andere NBA-Stars waren in den Fall involviert.

21. Trauriger Rekord: Gegen Allen Iverson wurden im Jahr 2002 14 Anklagen an einem einzigen Tag erhoben. Der damalige Sixers-Star war bewaffnet in das Appartment seines Cousins eingebrochen und auf der Suche nach seiner Frau gewesen. Alle Punkte wurden fallen gelassen, da niemand gegen ihn aussagen wollte.

22. Mysteriös: Bison Dele (früher Brian Williams), beendete seine NBA-Karriere 1999 im Alter von 30 Jahren überraschend, um die Welt zu erkunden. Von einer Segeltour 2002 kehrte jedoch nur sein Bruder lebend zurück. Sein Bruder flüchtete nach Mexiko, nachdem die Polizei ihn verdächtigt hatte, und beging dort Selbstmord.

23. Sexualverbrecher: Ruben Patterson. bekam zwei Jahre auf Bewährung, weil er eine Babysitterin zum Oralsex gezwungen hatte. Kein Hindernis für die Portland “Jail” Blazers, die ihn trotzdem mit einem Vertrag über 34 Millionen Dollar ausstatteten.

24.Dämlichste Verletzung: In der Saison 1990/91 verpasste Lionel Simmons zwei Spiele aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk. Er hatte zu lange Gameboy gespielt. Wie unprofessionell!

25. Mad Max: Vernon: Maxwell (Houston Rockets) _ ‘ machte 1995 seinem Spitznamen alle Ehre: Der Shooting Guard ging auf einen Fan los, der ihn angeblich verbal attackiert hatte, und schlug ihm ins Gesicht. Zehn Spiele Sperre und 20.000 Dollar Strafe.

26. Tragischer Autounfall: Im Jahr 2000 kam Malik Sealy, damals bei den Minnesota Timberwolves unter Vertrag, bei einem Autounfall im Alter von 30 Jahren ums Leben. Der Shooting Guard fuhr ohne Gurt und Airbag in seinem Sportwagen, als er von einem Truck erwischt wurde.

27. Herzleiden ignoriert: Im Sommer 1993 brach Bostons Reggie Lewis während eines Wurf trainings tot zusammen. Obwohl vorher bei ihm eine Herzkrankheit festgestellt worden war, ignorierte Lewis den ärztlichen Rat, auf Leistungssport zu verzichten. Er wurde nur 27 Jahre alt.

28. Sitzen geblieben: Der zum Islam konvertierte Mahmoud Abdul-Rauf (Denver Nuggets) weigerte sich während der Saison 1995/96, zur amerikanischen Nationalhymne aufzustehen. Seine Begründung: Die amerikanische Flagge und Hymne wären Symbole der Tyrannei. Einen Monat vor Saisonende reagierte die Liga und suspendierte den Point Guard. Nach zwei Spielen resignierte Abdul-Rauf und stand wieder auf.

29. Offene Fragen: Shooting Guard Ricky Berry von den Sacramento Kings nahm sich im August 1989 nach seiner Rookie-Saison im Alter von 25 Jahren das Leben. Er hatte am Abend zuvor einen heftigen Streit mit seiner Frau gehabt und hinterließ einen Abschiedsbrief, dessen Inhalt allerdings nie veröffentlicht wurde.

30. Milde Strafe: Jahr 1998 wurde Anthony Mason wegen Vergewaltigung von zwei Teenagern angeklagt. Er bekannte sich schuldig und bekam nur einige Jahre auf Bewährung inklusive 200 Stunden Sozialarbeit und konnte seine Karriere bei den Charlotte Hornets fortsetzen.

31. Frauenschläger: Point Guard Jason Kidd (damals Phoenix Suns) musste 2001 ein sechsmonatiges Anti-Aggressions-Programm absolvieren, nachdem er seine Frau Joumana geschlagen hatte, Mittlerweile sind die beiden geschieden.

32. Verwählt: toie im Jahr 2004 gerade neu gegründeten Charlotte Bobcats leisteten sich bei ihrer ersten Ticket-Kampagne eine amüsante Panne: Die vermeldete Telefonnummer führte versehentlich zu einer Sex-Hotline.

33. Im Gefängnis: Tom Payne spielte nur eine Saison, da er im Sommer 1971 nach seiner Rookie-Saison bei den Hawks im Alter von 21 Jahren wegen Vergewaltigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Dort sitzt der Wiederholungstäter noch immer.

24. Von der Zeit eingeholt: Während seiner College-Zeit an der University of Michigan hatte Chris Webber unerlaubterweise Geld aus illegalen Wettgeschäften angenommen. Erst im Jahr 2002 wurde er dafür verurteilt und nachträglich für acht NBASpiele gesperrt.

35. Rookie-Drama: Beim Draft 1986 wählten die Boston Celtics mit dem zweiten Pick Leonard “Len” Bias aus. Der 22-Jährige galt als riesiges Talent doch nur 48 Stunden später wurde der Rookie mit einer Überdosis Kokain tot aufgefunden.

36. Festgebissen: NBC Kult Kommentator Marv Albert sorgte 1997 für Schlagzeilen, als eine seiner Liebhaberinnen ihn anzeigte, weil er sie geschlagen und gebissen haben soll. Trotz Verurteilung wegen Körperverletzung kehrte er zwei Jahre später hinter das Kommentatorenpult zurück. Mittlerweile arbeitet er für TNT.

37. Sex-Tape: Wer hätte das gedacht, dass Julius Erving in einer Reihe mit Pamela Anderson und Paris Hilton steht? Im Januar 2004 tauchte bei der Zeitung “New York Post” ein Sex-Video von Dr. J. aus den 80er-Jahren auf. Angeblich hatte seine Frau das Band während ihrer Scheidungsschlacht der Zeitung zukommen lassen, Gut, dass es noch kein Youtube gab.

38: Zauber verpufft: Schock für die Basketballwelt im November 1991, Lakers-Superstar Earvin “Magie” Johnson erklärte seinen Rücktritt, weil er sich mit dem HI-Virus infiziert hatte. Seine letzten Auftritte waren das All-Star-Game 1992 und die Olympischen Spiele im selben Jahr sowie ein Comeback-Versuch in der Saison 8 1995/96. Mittlerweile haben sich die Viren bei ihm auf ein minimales Risiko zurückgebildet. Magie gewann mit den Lakers fünf Titel.

39. Lügenbold: Kurz vor Saisonbeginn 2008/09 tauchte Warriors-Guard Monta Ellis mit einer Verletzung am Knöchel auf und behauptete, sie sich beim Basketball zugezogen zu haben, Es stellte sich jedoch heraus, dass er einen Mopedunfall hatte. Ziemlich dreist, da er kurz zuvor einen 66 Millionen schweren Vertrag abgeschlOSsen hatte.

40. Hinter Gittern: Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner kam 2005 groB in die Presse, als def Verdacht geäußert wurde, dass ef über drei Millionen Euro aus Provisionsverlrägen mit seinem Superstar nicht versteuert haben sollte. Er wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt und hatte über einen Monat in Untersuchungshaft gesessen.

41. Trauerspiel: Ex-NBA-Forward Eddie Griffin starb 2007 im Alter von 25 Jahren bei einem Autounfall, als er von einem Zug erfasst wurde. Bis heute ist nicht geklärt, ob es Selbstmord gewesen ist. Griffin war früher schon aufgefallen, als er seiner Freundin mehrmals ins Gesicht geschlagen und sogar mit einer Pistole um sich geschossen hatte.

42. Wettrennen: Ein tragisches Ende nahm Hornets-Guard Bobby Phills im Alter von 30 Jahren. Im Januar 2000 lieferte er sich ein Autorennen mit Teamkollege David Wesley, geriet auf die Gegenfahrbahn und kam bei einem Crash ums Leben.

43. Kokser: Celtics-Forward Marvin Barnes gab zu, während der Saison 1978/79 auf der Ersatzbank Kokain zu sich genommen zu haben. Er vertuschte die Aktion mit einem Handtuch über dem Kopf. Obwohl es zunächst nicht aufgefallen war, musste Barnes seine Karriere ein Jahr später wegen seiner Drogensucht beenden. Er wurde lebenslänglich gesperrt.

44. Rookie-Skandal: Die frisch gebackenen NCM-Champs Mario Chalmers und DarreIl Arthur flogen aus dem Rookie-Entwicklungsprogramm 2008, nachdem sie auf ihrem Ho:elzinmer eine wikle Party mit Frauenbesuch gefeiert hatten. Kein guter Einstieg in die Welt der Profis.

45. Die Schattenseite von “MJ”: 1991 war kein gutes Jahr für Michael Jordan, zumindest privat nicht. Innerhalb von nur zehn Tagen verjubelte er über eine Million Dollar bei diversen Goltwetten. Im gleichen Jahr wurde publik, dass er eine Affäre hatte und seiner Liebhaberin 250.000 Dollar bezahlte, um diese vor seiner Ehefrau geheim zu halten.

46. Schlechte Verlierer: Bulls 1991 die Detroit Pistons in den Conference Finals mit 4:0 Spielen besiegt hatten, waren die Pistons-Akteure so beleidigt, dass sie schon kurz vor Ablauf der Spielzeit das Feld verließen.

47. Totschlag: 2002 wurde Ex-Nets-Center Jayson Williams wegen Totschlags verhaftet, weil er seinen Chauffeur erschossen haben soll. Vor Gericht argumentierte Williams, dass es ein Unfall gewesen war. Das endgültige Urteil ist bis heute noch nicht gefällt.

48. Doping-Affäre: Chis Andersen wurde 2006 wegen einer positiven Doping-Probe (Amphetamine) auffällig und für zwei Jahre gesperrt. Seit 2008 ist er wieder in der NBA aktiv.

49. Absprache: Die Timberwolves garantierten Joe Smith im Jahr 1999 einen zukünftigen Millionen-Vertrag, wenn er zunächst unter Marktwert unterschreibt, damit die T-Wolves noch weitere Deals einfädeln konnten. Minnesota wurden die fünf Erstrundenpicks entzogen und eine Geldstrafe von 3,5 Millionen Dollar aufgebrummt.

50. Außer Kontrolle: Nachdem 2003 ein Foul, gegen ihn gepfiffen worden war, rastete Pistons-Forward Rasheed Wallace aus und schmiss den Ball in Richtung Schiedsrichter. Dafür kassierte er auch noch ein technisches Foul. Nach dem Spiel wollte “Sheed” sogar auf den Referee losgehen, konnte aber abgehalten werden. Die Konsequenz: sieben Spiele Sperre.

NBA: Amare Stoudemire: Den Durchblick behalten

Mittwoch, 19. Mai 2010

Die Phoenix Suns können es noch! Das liegt nicht nur an Ex-MVP Steve Nash sondern auch an Amare Stoudemire, der nach überstandener Augenverletzung und etlichen Trade-Gerüchten immer noch die Fans verzückt

Der kleine Santos Medina trifft zum ersten Mal in seinem Leben einen Riesen. Doch der Fünfjährige fürchtet sich nicht vor dem 2,OB-Meter-Mann.Im Gegenteil: Als der Gigant seine Pranken auf Santos’ Schultern legt, grinst der Grundschüler bis über beide Ohren. Er ist mächtig stolz auf den Besucher seiner Grundschule. Es ist nämlich kein Geringererals Amare Stoudemire,Star der Phoenix Suns. Der Big Man verschenkt Rucksäcke an die insgesamt 300 Kids und hält einen Vortrag zum Thema Bildung. Doch der All Star belässt es nicht bei Weisheiten wie “Lesen, Schreiben und Rechnensind eure Schlüssel zum Erfolg im Leben”. Er erzählt den Kids ganz offen, dass die Saison 2009/10 seine letzte in Arizona sein könnte: “Wer weiß? Vielleicht ist dies der Anfang meiner Abschiedstournee.” Plötzlichhängt eine dunkle, unheimliche Wolke des Erwachsenseins über den kleinen, unschuldigen Köpfen. “Hey Kids! Schreibt den Suns schnell einen Brief, dass sie Amare behalten sollen”, sagt ein anderer Gast. Er will die Wolke schnell wegschieben. “Benutzt Wachsmaler oder was ihr möchtet. Wir geben das dann an den Club weiter.” Bunte Ranzen. Farbstifte. Fröhliche Kinder.Schöne Bilder, die Stoudemire im Frühling fast für immer verloren hätte. Zumindest auf seinem rechten Auge: Der Superstar wäre nämlich beinahe rechts erblindet, es drohte sein Karriere-Ende!

Riskante Notoperation

Das Unglück passiert am 1B. Februar 2009. DieSuns sind in LA. zu Gast und überrennen die Clippers erwartungsgemäß mit 142:119. Star des Abends ist mit 42 Zählern und elf Rebounds … Amare Stoudemire. Ausgerechnet er! Denn wenige Tage zuvor gilt sein Abgang per Trade als sicher. Doch die Suns halten an ihrem Draft-Pick von 2002 fest.

Dann der Schock: Stoudemire, der im Spiel einen Finger ins rechte Auge bekommt und die Partie trotzdem erfolgreich beende!, hat nach dem Spiel Schmerzen. Die unangenehme, aber alltägliche Verletzung ist wohl nichts Schlimmes- denken alle. Einähnlicher Unfall Stoudemires im Trainingscamp 200B verlief glimpflich – doch dieser nicht. Der Star muss unters Messer.Es geht um sein Augenlicht! “Amare hat eine erhebliche Ablösung seiner Netzhaut und Blut im rechten Auge”, erklärt sein Arzt . “Es ist ein Notfall.”

Das menschliche Auge funktioniert wie eine Kamera: Vorne lässt eine Linse Licht hinein, das hinten auf einer Nervenschicht (Netzhaut) abgebildet wird. Von dort werden dann die Bilder ins Gehirn transportiert. Eine Verletzung an dieser Stelle ist schwer zu behandeln, die Operation endet nur in 50 Prozent der Fälle erfolgreich. Bei Stoudemire geht zum Glück alles gut, trotzdem muss er im Juli eine Folge-OP über sich ergehen lassen. Der Doktor entfernt Flüssigkeit aus dem Auge und setzt ein Gasbläschen ein, um die Netzhaut zurück an ihren Platz zu drücken. Wer das bereits für heftig hält, hat die Anweisungen des Doktors noch nicht gelesen: zehn Tage am Stück mindestens 22 Stunden am Tag auf dem Bauch liegen! Stoudemire zieht für diese schwere Zeit extra in ein Hotel,um nichts zu riskieren.

“Es war die Hölle. Erst die Angst um mein Auge. Dann die OP und das ewige Herumliegen”, erinnert sich Stoudemire. “Aber ich musste mich am Riemenreißen. Für mein Auge. Für mein Team.Für meine Zukunft.” Selbst nach der Tortur auf seiner “Folterbank” muss der Mann mit der Trikotnummer eins cool bleiben. Denn der Blutdruck darf nicht steigen, sonst beansprucht er sein Auge zusätzlich. Heißt: kein Basketball. Kein Krafttraining. Keine schnellen (Kopf-)Bewegungen. Keine Blutstöße in den Kopf. Bitter: Selbst beim Essen, Schlafen und Toilettengang ist er gehandicapt. Zu den physischen Problemen kommt psychischer Stress. Am Draft-Tag, keine drei Wochen nach der zweiten Augenoperation, steht der potenzielle Franchise-Player vor dem Aus in Phoenix. Auch weil sich die Suns weigern, über eine Vertragsverlängerung zu sprechen.

“Wir werden diesen finanziellen Schritt nicht machen, bevor wir Amare wieder in Action gesehen haben”, sagt General Manager Steve Kerr ganz kühl. “Wir hoffen und erwarten,dass er wieder fit wird. Aber wir dürfen nichts überstürzen.” Die Konsequenz: Amares Vertrag läuft im Sommer 2010 aus. Dann kann er eine Vertragsoption ziehen und für ein Jahr sowie 17,7 Millionen Dollar verlängern. Oder gehen …

Doch damit nicht genug. Denn vor dem Draft taucht plötzlich wieder ein hässliches Trade-Gerücht auf. Es gilt sogar als sicher, dass Stoudemire nach Golden State wechselt. Doch weil College-Star Stephen Curry den Warriors in den Schoß fällt, wird der Trade in die Tonne gekloppt. Aber auch ohne abgeschoben zu werden, ist es für Stoudemire ein Horrorsommer!

Comeback-King

Doch der Pechvogel fightet weiter. Schafft das Comeback. Und hilft den Suns mit elf Siegen in 14 Partien aus den Startlöchern. Das siegreichste Team der Liga erzielt auch die meisten Zähler im Schnitt (110,4) bei der besten Feld- (49,2 Prozent) und Dreierquote (44,4) der NBA.Wow! Mittendrin ist Suns- Topscorer Amare Stoudemire mit neuer Schutzbrille und 19,9 Punkten pro Partie.

Das schnelle Spiel der Suns unter Headcoach Alvin Gentry, das sich am Turbo-Basketball seines Vor-Vorgängers Mike D’Antoni orientiert, macht die Suns wieder zum heißen Playoff-Team. “Es macht wieder Spaß”, freut sich Stoudemire. “Wir sind eine eingespielte Truppe mit tollen Spielern. Wir sind locker und reißenWitze,erledigen aber auch unsere Arbeit.” Doch der Gedanke, dass es seine Abschiedssaison sein könnte, lässt ihn nicht los. “Im Angesicht meines möglichen Karriere-Endes habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich dein Vermächtnis?”, denkt Stoudemire nach.

“Hall-of-Famer? NBA-Meister? Das, was ich sein wollte? Nichts davon.Also setze ich jetzt alles daran, an meinem Denkmalzu meißeln.” Gut für die Suns, denn die haben einen zu 100 Prozent motivierten Stoudemire im Team und gewinnen ein Spiel nach dem anderen. So lange kann man die Trade-Gerüchte doch gern beiseiteschieben.

NBA: Dennis Rodman: Völlig Verrückt

Mittwoch, 12. Mai 2010

Wer sich alte Bilder von Dennis Rodmanan schaut, der wird sich wahrscheinlich verwundert die Augen reiben: Ist dieser brave Mann mit den Segelohren (Bild links) wirklich derselbe Typ, der wenig später mit Tattoos, Piercings und gefärbten Haaren die Öffentlichkeit schockte? Der als die größte Bedrohung der NBA galt? Und: Was um alles in der Welt ist bloß mit ihm passiert? Was hat den Forward, der in seinen ersten Jahren nur auf dem Court glänzte, zu einem der größten Spektakel der NBA Geschichte werden lassen?

Eine Eindeutige Antwort auf diese Fragen gibt es nicht. Nur eins ist klar: Im Sommer 1993 hat sich Rodman, der damals schon 32 Jahre alt war, komplett neu erfunden. Hat sein biederes Image abgelegt und sich neben seinen basketballerischen Fähigkeiten fast nur noch um Show und Skandale gekümmert. Und sich damit zu einer Persönlichkeit entwickelt, an der sich die Geister scheiden. Für die einen ist der fünfmalige Champ und siebenfache Rebound-König einer der besten Spieler aller Zeiten. Für die anderen der krasseste Akteur, der je das Parkett betreten hat. So oder so: Der Mann mit den bunten Haaren ist zum Mythos geworden – auch zehn Jahre nach seinem letzten groBen Erfolg. “Dennis war vor allem mit seinem Image beschäftigt”, erklärt Michael Jordan, der mit Rodman zwischen 1995 und 1998 bei den Bulls spielte. “Seine Qualitäten waren unbestritten. Aber es war oft schwer, mit ihm zusammenzuspielen. Manchmal dachte ich: Eigentlich gehört der Typ eingesperrt.” Als Rodman 1986 in die NBA kommt, ist das noch anders. Der dürre Athlet, der von den Pistons erst an Position 27 gedraftet wird, ist alles andere als ein Lautsprecher. Im Gegenteil: Er gibt sich schüchtern, zurückhaltend und zeigt sich nur auf dem Parkett bei seiner Defense feurig. Schritt für Schritt wird er zum Leistungsträger.

1989 und 1990 gewinnt er mit den Pistons den Titel, wird zudem All Star (1990, 1992) und Defensive-Player of the Year (1990,1991). In der Saison 1991/92 schnappt er sich unglaubliche 18,7 Rebounds pro Partie – und das mit “nur” 2,03 Meter Körpergröße.

Von der Polizei geweckt

Doch dann ändert sich plötzlich alles.Einerseits, weil sich der schüchterne Mann, der als Kind ohne Vater aufgewachsen war, nach mehr Anerkennung sehnt. Andererseits, weil für ihn wichtige Eckpfeiler in seinem Leben wegbrechen.

Zunächst tritt im Mai 1992 Chuck Daily, so etwas wie ein Ersatzvater, als Pistonscoach zurück. Dann lässt sich seine Frau Annie Bakes, mit der er fünf Jahre lang leiiert war, von ihm scheiden.

Das ist zu viel für den sensiblen Rodman. Im Mai 1993 will der damals 32-Jährige alles hinter sich lassen: Mit einem geladenen Gewehr parkt er vor der Pistons-Halle. Doch anstatt sich das Leben zu nehmen, weckt die Polizei am nächsten Morgen einen schlafenden und komplett veränderten Rodman. “In dieser Nacht habe ich beschlossen, dass ich etwas von mir töten muss”, schreibt Rodman in seiner Biographie “Bad as I wanna be”. Aber ich wollte mich nicht selbst umbringen, sondern nur den Dennis Rodman zur Seite räumen, der sich selbst im Weg steht. Ich habe die Person getötet, die ich nicht sein wollte. Ich habe beschlossen, nur noch das zu tun, was ich wirklich will.”

Von einem Tag auf den anderen vollzieht Rodman einen radikalen Kurswechsel. Er wechselt sein Outfit, seine Haarfarbe, seinen Style und vor allem sein Verhalten. Schrittweise mutiert der brave Forward zum unzähmbaren Bad Boy. Die Folge: Affären und Aussetzer.

Nachdem Rodman 1993 zu den Spurs gewechselt ist, kann ihn nichts und niemand mehr unter Kontrolle halten. Er legt sich mit Gegenspielern, Teamkollegen und Schiedsrichtern an und wird mehrmals gesperrt. Neben seiner schrillen Haarfarbe, die er ständig wechselte und seinen Tattoos sorgt eine heiße Affäre mit Pop-Ikone Madonna für Mega-Schlagzeilen. “Dennis liebt es, die Leute zu provozieren”, erklärt sein damaliger Coach John Lucas. “Er will nur auffallen.”

Dass Rodman im konservativen Texas nicht zurechtkommt, ist absehbar. Überraschend ist, dass ihn die glorreichen Bulls 1995 unter Vertrag nehmen. Und damit für einen Höhepunkt der Rodman-Hysterie sorgen. Denn an der Seite von “Superman” Jordan bekommt “Badman” Rodman noch mehr Aufmerksamkeit Und der Forward suhlt sich in den
unzähligen Schlagzeilen, die in der ganzen Welt über ihn verbreitet werden: seine Ausraster gegenüber Schiedsrichtern, seine Spontan-Hochzeit mit Nacktmodel Carmen Electra, seine Anfeindungen gegen Liga-Boss David Stern, sein Tritt in den Unterleib eines Kameramanns, Besuche in Schwulenclubs, sein Kino-Film “Double Team” oder sein Auftritt im Hochzeitskleid bei der Veröffentlichung seiner Biographie. Der Bad Boy sorgt ständig für Wirbel. Und was am meisten verwundert: auch auf dem Parkett.Mit gnadenloser Defense und unzähligen Rebounds ist er ein wichtiger Bestandteil der “Unbeatebulls”, die sich zwischen 1996 und 1998 drei Titel in Folge sichern. Rodman genießt den Erfolg, das Geld und den Ruhm. Und verliert dabei jeden Bezug zur Realität. “Ich hasse Geld, also bin ich nach Las Vegas gefahren, um es los zu werden”, ist einer seiner Sprüche. “Ich bin ein einziges lebendes Spektakel, und wo ich bin, ist Erfolg”, ein anderer. Nur: Nach dem Ende der Super-Bulls 1998 ist es mit dem Erfolg endgültig vorbei. Noch zwei Mal versucht er, in der NBA Fuß zu fassen, doch seine Engagements bei den Mavericks und Lakers scheitern nach wenigen Spielen, ein PR-trächtiger Einsatz in der englischen Liga 2006 ist schließlich sein letzter Auftritt als Basketball-Profi.

Und doch: Auch heute, zehn Jahre nach den letzten großen Erfolgen, ist der Name Rodman immer noch ein Begriff. Kein Wunder bei so vielen Rebounds und Skandalen. Verdient hat er sich die Aufmerksamkeit allemal.

NBA: Baron Davis: Heiss auf die Hauptrolle

Montag, 10. Mai 2010

Ein Basketball spielender Filmfreak wechselt nach Los Angeles, zu den Clippers. Trifft sich ja gut! Dabei gehört Top-Playmaker Baron Davis schon lange zum Hollywood-Business.

Er hatte noch keinen einzigen Korb für seinen neuen Club erzielt, da tauchten schon die ersten Paparazzi-Fotos auf. Baron Davis am Strand von Los Cabos in Mexiko. Der NBA-Profi und Star-Einkauf der Los Angeles Clippers – ganz privat! Über Boulevard-Zeitungen und diverse Gossip-Seiten im Internet verbreiteten sich die Fotos wie ein Lauffeuer rund um die Welt. Dabei ging es auf den Bildern gar nicht um Baron Davis, den Basketball-Profi der Los Angeles Clippers. Wahrscheinlich wusste der Fotograf nicht einmal, wer der dunkelhäutige Kerl überhaupt ist, als er aufgeregt auf den Auslöser drückte. Vielleicht ein Bodyguard? Objekt der Begierde war nämlich die Frau an seiner Seite – Schauspielerin Jessica Alba, die sich direkt neben Davis die Sonne auf den Bauch scheinen ließ.

Nein, es war kein Zufall, dass die beiden Superstars den gleichen Urlaubsort gebucht hatten. Eher ein Beweis, dass Davis auch schon vor seinem Vertragsabschluss bei den L.A. Clippers dick im Hollywood-Geschäft unterwegs gewesen ist. Mit Albas Ehemann Cash Warren ist Davis nicht nur seit seiner Kindheit eng befreundet, sie sind auch Geschäftspartner.

Zusammengründeten sie die Internet-Plattform ibeatyou.com – eine Website, auf der man Videos einstellen kann, um andere User unter einem bestimmten Aspekt herauszufordern. Auch Davis selbst ist dort angemeldet und hat schon einige sehenswerte Videos gepostet. Man kann den zweifachen All Star bei einer lustigen Karaoke-Performance erleben oder zuschauen, wie er versucht, möglichst lange die Augen offenzuhalten, ohne zu blinzeln. Für die größten Lacher dürfte aber sein zusammen mit Suns- Guard Steve Nash gedrehter Kurzfilm “Step Brother” sein, bei dem die beiden in verrückte Rollen schlüpfen.” Ein Betätigungsfeld wie dieses passt zu Davis, der nicht nur ein lockerer Typ ist, sondern auch immer nach neuen Herausforderungen sucht. Auch abseits des Basketball-Courts. Neben der orangefarbenen Pille sind Filme seine größte Leidenschaft. Auf nba.com hat er sogar eine Filmrubrik.”" Dort bewertet er aktuelle Kino-Hits, interviewt Schauspieler, verteilt Awards und erklärt, was einen guten Film auszeichnet.

Neben ibeatyou.com hat er mit Cash Warren die Produktionsfirma “Veros Entertainment” ins Leben gerufen. Im Gegensatz zu den Leinwand-Ausflügen von (Ex-)Berufskollegen wie Michael Jordan (”Space Jam”) oder Shaquille O’Neal (”Kazaam”) nimmt Davis, der bereits einige Gastauftritte in TV-Serien hatte, seine Rolle im Filmgeschäft ernst. Vor allem hinter der Kamera. Anfang des Jahres produzierte und veröffentlichte der 29- Jährige den Film “Made in America” – eine Dokumentation über die gewalttätigen Gang-Konflikte im Süden von LA Die Hälfte des Budgets hat er dabei selbst beigesteuert. “Ich wollte nicht nur einen Film drehen, sondern auch etwas bewegen”, erklärt der Clippers-Guard. “Vieles, was darin zu sehen ist, habe ich selbst erlebt. Einige meiner besten Freunde sind bei Schießereien draufgegangen. Ich erinnere mich an ein Jahr, in dem ich auf acht oder neun Beerdigungen gewesen bin.”

In bester Gesellschaft

Geboren und aufgewachsen ist Davis in Los Angeles. Sein Wechsel von den Golden State Warriors zu den LA. Clippers ist also auch die Rückkehr in seine geliebte Heimat. Ohne seine Eltern, die früh an Drogen starben, verbrachte er seine Kindheit zunächst nicht in bester Gesellschaft. Genau wie in seinem war auch die Gegend, in der er lebte, von Gewalt geprägt. Doch er lernte früh eine andere, geordnetere Welt kennen. Dank seines Basketball-Talents bekam er ein Stipendium an der privaten Crossroads-Schule für Kunst und Wissenschaft und konnte so in einem besseren Umfeld aufblühen.

Davis warf nicht nur sein Highschool-Teamzum Titel, sondern nahm auch Theater-Unterricht und interessierte sich für das Entertainment-Business. Während die Schule neben Davis immerhin einen weiteren NBA-Spieler hervorbrachte (Austin Croshere), haben es unter anderem seine Klassenkameradinnen Kate Hudson (”Almost Famous”), Gwyneth Paltrow (”Shakespeare In Love”) und Jack Black (”School Of Rock”) auf die Kinoleinwand geschafft. In der Schule freundete sich Davis auch mit seinem Mitschüler Cash Warren an, der ihm als Sohn eines Schauspielers zeigte, wie es sich in Las High Society lebt. Später besuchte Davis die UCLA, bevor er das COllege nach zwei Jahren verließ, um 1999 in die NBA zu den Charlotte Homets zu wechseln. “An der Uni habe ich gelernt, dass ich neben Basketball auch anderen Interessen nachgehen kann”, blickt Davis zurück. Dass Davis den Golden State Warriors im Sommer Goodbye gesagt hat, um beiden Clippers zu unterschreiben, lag also nicht nur am Geld; schließlich hätte er für eine weitere Spielzeit in Oakland stolze 17,4 Millionen Dollar einsacken können. Aber auch mit 65 Millionen, die “B-Diddy” in den kommenden fünf Jahren einstreicht, lebt es sich nicht schlecht Seit Jahren, auch während seiner Zeit in Charlotte und New Orleans, veranstaltet der 1,91 Meter große Playmaker Basketball-Camps und Charity-Veranstaltungen in seiner Heimatstadt. “Es ist ein Traum,wieder in Los Angeles spielen zu können”, strahlte Davis bei seinerersten Pressekonferenz im Juli. “Dieser Orl bedeutet mir so viel.” Da dürften nicht einmal die vielen Paparazzi stören.

Gegen den Wind

Donnerstag, 6. Mai 2010

Top-Draft-Pick Derrick Rose soll die Chicago lulls wieder auf Erfolgskurs bringen. Doch an den luftigen Erwartungen in der Windy City sind vor dem 19-jährigen Playmaker schon viele andere Youngster gescheitert.

Noch immer trauern die Fans in Chicago dem 90er-Team um Michael Jordan und Scottie Pippen hinterher. Was für Zeiten: Sechs Meisterschaften und immer eine ausverkaufte Hütte. Die Bullen von heute sind dagegen nur noch zahme Kälber. Vergangene Saison qualifizierten sie sich nicht mal mehr für die Playoffs, positive Schlagzeilen gab es nur selten. Was vor allem fehlte, war ein Führungsspieler. Einer, der eine neue Ära einleitet. Stolz und Erfolg zurückbringt. Ein Erlöser. Den hofft man jetzt beim Draft gefunden zu haben: Mit Top-Pick Derrick Rose. Der Point Guard ist zwar erst 19 Jahre jung und mit nur einem Jahr College-Erfahrung ausgestattet, dafür aber unglaublich talentiert. “Derrick ist ein ganz besonderer Spieler, der uns zurück nach oben führen kann”, schwärmt Bulls-Manager John Paxson von seinem Nachwuchs-Star. “Wir erhoffen uns sehr viel von ihm.” Willkommen im Haifischbecken NBA, Mr. Rose!

Ausgewiesener Winner

Auf dem Papier ist Rose ein Ausnahmetalent, wie es nur alle Jubeljahre die NBA-Bühne betritt. Als Highschooler gewann er zwei Championships und erzielte in seinem letzten Jahr 25,2 Punkte, 9,1 Assists und 8,8 Rebounds im Schnitt. Seine Dunks, Dribblings, Drives und Zuckerpässe wurden schnell zu Hits auf youtube.com.

Auf dem nächsten Level ging es so weiter: Rose trug die Memphis Tigers in seiner einzigen College-Saison bis ins Finale des NCAA-Turniers. Dort siegten zwar trotz seiner 18 Punkte und acht Assists die Kansas Jayhawks, doch Rose hatte sein “Winner-Gen” bis dahin schon längst bewiesen. Herz, Hirn und Game – das komplette Paket! “Er kann individuell alles, agiert aber uneigennützig”, schwärmt deshalb ESPN Experte Jay Bilas.

Kein Zweifel: Rose hat das Zeug zum Superstar. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Und nirgendwo ist er steiniger als in Chicago. Der 1,91 Meter große und 86 Kilo schwere Rookie steht also vor einer der größten Herausforderungen der NBA-Geschichte.

Schwerer Start

Auf seinen Schultern, von denen in der kommenden Saison das Trikot mit der passenden Nummer 1 hängen wird, lastet nämlich ein gewaltiger Druck. Da wäre zum einen die Tatsache, dass in den letzten 30 Jahren außer Rose nur zwei Guards an erster Stelle gedraftet wurden: Allen “The Answer” Iverson (1996) und Earvin “Magie” Johnson (1979). Beide wurden zu absoluten Megastars und jeweils MVP, Magie obendrein fünffaeher Champ mit den Lakers. Krasse Gesellschaft!

Damit nicht genug: Für den Nummer-eins-Pick hängt die Messlatte traditionell noch höher als für den Rest des Jahrgangs. Die Erwartungen sind immens, die Toleranzschwelle verschwindend gering. Jeder Schritt wird genau beobachtet. Analysiert. Verglichen. Beurteilt. Und verurteilt. So werden Fehler nicht nur schnell, sondern auch gerne gefunden. Jeder Wurf, der vom Ring abprallt, fällt auch auf den Youngster zurück.

Schwierig wird der Einstieg für Rose auch, weil er als Playmaker vom ersten Tag an zahlreiche neue Spielzüge beherrschen muss. Kann er das Tempo der Bulls bestimmen, ohne die NBAGeschwindigkeit zu kennen? Gelingt es ihm, die millionenschweren Egos um sich herum zu sättigen? Und als Frischling unter Veteranen zum Anführer aufzusteigen, ohne dabei arrogant oder selbstherrlich zu wirken?

Im direkten Kampf um seine Position muss Rose bei den Bulls erst einmal an Kirk Hinrich vorbei. Als wäre es nicht schwer genug, die Geschicke einer Multimillionendollar-Truppe zu lenken und den Spagat zwischen Teamplay und eigenem Spielfluss zu schaffen …

Dass er das gleich in seiner ersten Saison schaffen wird, glauben nur wenige: Bei einer Umfrage von ESPN.com hat kein einziger Fachmann auf den Top-Pick aus Chicago als kommenden “Rookie of the Year” getippt!

Bei all diesen Problemen ist ein biografisches Detail besonders interessant. Es könnte Rose’ Mission endgültig impossible machen: Er stammt aus Chicago! Und das ist nicht unbedingt ein Vorteil. Rose und seine drei Brüder wuchsen auf der South Side auf. Schon als Teenager avancierte Derrick zum Lokalhelden. Spätestens seit dem NBADraft kennt jeder den neuen Superstar der Stadt. Seine Freiheiten sind also eingeschränkt, weil Cheeseburger-Dinner, Clubbesuche und Alkoholkonsum sofort durch die Presse gehen. Ständig sind außerdem (falsche) Freunde und Familie herum, was für einen Profisportler eine nicht immer willkommene Ablenkung darstellt – schließlich verlangt sein Job vollste Konzentration.

Zusätzliche Probleme drohen Rose innerhalb der eigenen Reihen. Chicago ist für Rookies traditionell kein gutes Pflaster. Seit Jordans Abgang 1998 hat kein NBA-Team so viele junge Talente verheizt wie die Bulls (siehe Kasten). Immer wieder wurden Youngster dazu auserkoren, für Erfolge zu sorgen. Funktioniert hat das noch nie.

Man muss sich also fragen, ob Derrick Rose bei all seinem Talent überhaupt eine faire Chance hat. Um die Bulls zu retten, braucht er fast schon magische Kräfte. Da passt es ja, dass die Tätowierung auf seiner linken Schulter einen Zauberer zeigt, der einen Stab und einen Basketball hält. Er heißt “Poohdini”, ein Wortspiel aus dem Entfesselungskünstler Harry Houdini und Derricks Spitznamen “Winnie The Pooh” aus moppe ligen Kindertagen. Derrick, der Basketball-Magier?

Bisher hat Rose auf jedem Level begeistert und bewiesen, dass er ein NBA-Star werden kann. Aber ein “kann” reicht im Hexenkessel Chicago nicht.

JERMAINE O’NEAL: Endlich Schmerzfrei

Montag, 3. Mai 2010

Der Trade zu den Toronto Raptors ist für Jermaine O’Neal nicht nur ein Neustart. Es ist seine allerletzte Chance. Doch “JO” ist bereit, sie zu nutzen und es allen Kritikern zu zeigen!

Präsenz, Offense-Power, Explosivität und gutes Timing beim Blocken. Vier Attribute, die einen herausragenden Big Man auszeichnen. So einen wie Jermaine O’Neal. Zumindest, wenn man die erste Phase seiner NBA-Karriere bei den Indiana Pacers betrachtet. Danach sorgte eine einzigartige Verletzungsserie dafür, dass der sechsmalige All Star nur noch selten spektakulär abhob. Vom gefeierten Franchise-Player ging’s abwärts bis hin zum ramponierten Buhmann der Indiana Pacers. Doch nun hat das Grauen ein Ende. Nach seinem Trade zu den Toronto Raptors’ erwartet den mittlerweile 30-Jährigen ein Neuanfang. Und zwar ein überaus vielversprechender. Denn etwas Besseres hätte “JO” überhaupt nicht passieren können.

Neu sind für ihn in Kanada nicht nur Stadt, Land, Leute, Mannschaftskollegen und die Trikots, sondern auch das Feeling auf dem Court. “Ich fühle mich fantastisch, fast wie neugeboren”, sagte O’Neal euphorisch bei seiner Vorstellung in der Metropole am Lake Ontario. “Ich bin so fit wie lange nicht mehr und, was das Wichtigste ist, endlich wieder schmerzfrei. Zum ersten Mal seit über zwei Jahren!”

Nur noch ein Wrack

Schmerzfrei – ein Adjektiv, das in Jermaine O’Neals Wortschatz schon fast in Vergessenheit geraten war. Satte 27 Spiele, also knapp ein Drittel der regulären Saison, hat er in den vergangenen vier Jahren im Durchschnitt verpasst. Und da ist die 15-Spiele-Sperre nach dem Brawl in Detroit, bei dem der 118-Kilo-Koloss auf dem Spielfeld einen Fan ausknockte, nicht mal miteingerechnet! Die Liste seiner Verletzungen und Erkrankungen ist schier endlos lang: schwere Knieprellung links, Bänderdehnung linkes Knie, Knochenstauchung linkes Knie, Arthroskopie linkes Knie, Leistenbruch links, Lungenentzündung, Schulterprobleme rechts, Bänderdehnung linker Knöchel.

Und das auch noch als Franchise-Player! Als Superstar eines Teams, das O’Neal 2004 mit 20,1 Punkten, 10,0 Rebounds und 2,5 Blocks erst zur besten Bilanz der Liga (61 :21 Siege) und dann bis ins Conference-Finale (2:4 gegen den späteren Champ Detroit) geführt hatte. Seine Leistungen hatten maßgeblichen Anteil an lndianas Aufstieg, seine Leidensgeschichte dementsprechend auch am folgenden Absturz der Pacers. Denen blieb zuletzt zwei Male in Folge in den Playoffs nur die Zuschauerrolle auf der Couch. Und wer war schuld daran? Klar, O’Neal! Der Held von einst wurde nur noch höhnisch “Jer-pain” genannt. Auch so was schmerzt.

“Rückblickend habe ich vieles falsch gemacht. Zum Beispiel verletzt zu spielen, statt sinnvolle Pausen einzulegen, weil ich das Team nicht im Stich lassen wollte”, erklärt der 2,11 Meter große Forward. ,Aber anscheinend hat niemand gemerkt, dass ich zwei Jahre quasi auf einem Bein gespielt habe. Es zählten nur meine Stats”, die logischerweise ziemlich in den Keller gegangen sind. Deshalb war es jetzt an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.”

Neustart in Kanada

Die einstige Traumehe zwischen dem Big Man, der sich in lndiana vom talentierten Youngster zum etablierten All Star und einem gefürchteten NBADefender entwickelt hatte, und den Pacers war nach acht gemeinsamen Jahren zerrüttet. “So wie die letzte Zeit gelaufen ist, mit all den Niederlagen und der negativen Presse nach dem Brawl, bin ich fast gestorben. Ich habe einfach den Spaß am Basketball verloren”, so O’Neal weiter. “Deshalb wollte ich einen kompletten Neustart. Ich bin jetzt mental viel stärker und habe den Sommer über sehr hart an meinem Körper gearbeitet, meine Ernährung umgestellt, mir einen neuen Betreuerstab zugelegt und einfach alles überdacht.”

Mit Fitness-Guru Joe Abunassar bereitet “JO”, dessen Athletik zu seinen großen Stärken zählt, seinen Körper gewissenhaft auf die neue NBA-Saison vor. Denn unter dem Zocken mit Schmerzen haben Balance, Haltung und einfachste Bewegungsmechanismen gelitten. “Jermaine war speziell bei Balanceübungen so schlecht, dass wir im ersten Monat komplett ohne Ball gearbeitet haben. Wir mussten viel korrigieren und bestimmte Muskelpartien besonders trainieren”, sagt Abunassar.

Die Quälerei hat Früchte getragen.

O’Neal präsentiert sich in Toronto laut eigener Aussage so fit wie lange nicht mehr. Die Verantwortlichen und die Fans der Raptors nehmen den Neuling dementsprechend mit Erleichterung auf, schließlich war der Trade nicht ganz risikofrei. Denn O’Neal bringt neben seiner Krankengeschichte auch das stattliche Gehalt von sage und schreibe 44 Millionen Dollar für die nächsten zwei Spielzeiten mit.

Unterordnen für den Erfolg

Fakt ist: Die Raptors haben nun einen der besten Rebounder und Verteidiger der Liga in ihren Reihen. Und ihr Franchise-Player Chris Bosh hat endlich die dringend nötige Frontcourt-Unterstützung und muss sich nicht mehr von den Brocken der Liga malträtieren lassen. “JO ist ein dominanter Lowpost-Scorer und eine Macht in der Zone. Er wird uns sehr helfen”, freut sich Bosh auf seinen neuen Partner. O’Neal verzichtet sogar auf “seine” Trikotnummer 7, die bereits Andrea Bargnani bei den Raptors trägt. “Ich will hier alles neu haben, deshalb habe ich die 6 genommen”, sagt O’Neal, der sich auch statt der gewohnten Cornrows mit neuem 3-Millimeter-Haarschnitt präsentiert. “Ich bin hier, um zu helfen.” Das schafft er locker, wenn Power und Explosivität endlich zurück sind.

Quelle: BASKET

NBA Spieler Vorstellung: Keine Halben Sachen – Danny Granger

Dienstag, 27. April 2010

Danny Granger fällt nicht auf. Wenn man sich irgendwo im US-Bundesstaat Indiana inmitten einer Mall platzieren und eine Umfrage zum Thema “Was oder wer fällt Ihnen spontan zum Thema Basketball in Indiana ein?” starten würde, bekäme man überraschende Antworten. Wahrscheinlich würden im US-Basketball-Staat Nr. 1 die meisten über die Hoosiers reden – die geliebte Truppe der Indiana University. Etliche noch über deren kontroversen Ex-Coach Bobby Knight. Man wird vom berühmtesten Sohn eines Kaffs namens French Lick schwärmen. Einem gewissen Larry Bird. Und der ein oder andere dürfte die Miene verziehen, verächtlich vom Kautabak verfärbten Speichel in einen Mülleimer spucken und jene Pacers erwähnen, die 2004 beim “Basketbrawl” gegen die Pistons die Ehre des Staates in den Schmutz gezogen haben. Fraglich, ob überhaupt einem Danny Granger in den Sinn kommen würde. Dabei wird es höchste Zeit, dass sich das ändert. Nicht nur in Indiana. Und nicht nur, weil er in dieser Saison ins All-Star-Team berufen wurde …

Elektro-Freak

Natürlich kann man diese Berufung zum Anlass nehmen, Danny Granger genauer in Augenschein zu nehmen. Genauso wie dessen Nominierung für den Dreier-Contest. Oder die 25,6 Punkte pro Spiel und fast 40-prozentige Quote von Downtown, die maßgeblich zu diesen Auszeichnungen beigetragen haben. Aber zum einen ist die Basketball-technische Bilanz nur eine Seite der Medaille, die Danny Granger das Potenzial gibt, mehr zu sein als “nur” ein zum ersten Mal ins AII-Star-Team Berufener. Und zum anderen bietet die Rückseite der Medaille genügend Storys und Anekdoten, um sie mal länger als nur für fünf Minuten umzudrehen und einen intensiven Blick darauf zu werfen. Auf einen ungewöhnlichen Typen, der irgendwie wie jeder andere und doch ganz anders ist.

Denn wer Danny Granger reden hört, der wird nicht viel Zeit verstreichen lassen, bis er sich mit einem verwunderten “Deja vu”-Feeling am Hinterkopf kratzt und sich fragt, wo er das schon mal gehört hat. “Ich liebe Videogames über alles”, schwärmt er gerne. “Ich spiele ständig und gucke eine Menge Filme, habe inzwischen weit über 2.000 DVDs.” Damit steht Danny G. kaum allein da in der exklusiven Bruderschaft, die sich NBA-Spieler nennt. Geschätzte99,87 Prozent dieser Clique daddelt sich regelmäßig die Daumen taub. Zu Hause, vor Spielen, vor allem aber auf langen Road-Trips. Im Hotel, Bus und Flieger. Was DVDs angeht, weiß jeder, der eine Handvoll MTV-Cribs-Folgen kennt, dass der durchschnittliche NBA-Spieler die Silberlinge sammelt wie der Streber gute Schulnoten. Danny Granger stellt da keine Ausnahme dar. Viele Scheiben hat der 25-Jährige schon mehr als ein Mal gekauft. Eine Version für zu Hause, eine als portables Futter für unterwegs und eine dritte, weil Nummer eins oder zwei in irgendeinem Hotel zwischen die Betten gerutscht ist.

Technik-versessen sind NBA-Stars durch die Bank. Kein Wunder: Sie sind jung, mit jeder Menge Zeit und dem nötigen Kleingeld ausgestattet, um jeden noch so absurden Traum zu erfüllen. Diese Dinge zu nutzen ist jedoch eine Sache, wirklich etwas davon zu verstehen eine völlig andere. Und so dürfte Danny Granger mit sehr großer Wahrscheinlichkeit der einzige NBAler sein, der das hoch komplizierte Sound system in seinem Haus selbst installieren konnte. Der Hunderte Meter Kabel durch die Wände gezogen hat, ohne dabei einen Stromschlag zu bekommen . ..Ichhabe die Schaltkreise eingesetzt und die Schutzschalter repariert, als sie kaputtgegangen sind, und Arbeiten gemacht, die mich insgesamt bestimmt 30.000 Dollar gekostet hätten”, erklärt Granger.

Offiziell mag er einem aufstrebenden NBA-Star ähneln, inoffiziell aber machen ihn seine technischen Fähigkeiten zum 1-a-Prototypen des NBANerds. “Auf einer Skala von eins bis zehn auf der Nerd-Skala hab ich im Technik-Bereich sicher eine Sieben”, grinst der Sohn eines Elektrikers. ,Als Kind hatte ich schon so einen Rufweg, vor allem, weil mein Vater mir diese Steve-Urkel-Brille verpasst hatte, mit einer Halteschnur. Aber ich war halt auch intelligent.”

Intelligent genug, um nicht den Fehler vieler Altersgenossen zu begehen, in all den Highschool- und Collegejahren einzig und allein einem Traum hinterherzuhecheln, der für die wenigsten wahr wird und den meisten ein jähes und unangenehmes Aufwachen beschert. Natürlich war auch der junge Danny Granger ein talentierter Nachwuchs-Baller. Ein sehr talentierter sogar. Talentiert genug für den Traum von der großen Liga. Vor allem aber schon gut genug, um nach der Highschool den Schritt zu gehen, der den meisten, meist schwarzen, Jugendlichen aus sozial schwächeren Schichten verwehrt bleibt: den Sprung ans College. Er hat sein Talent und seinen Sport erst mal als Mittl zum Zweck angesehen. Um eine gute Ausbildung kostenlos zu genießen, die sonst gut und gerne den Kaufpreis eines netten Mittelklassewagens erreicht hätte. Pro Jahr! “Mein ganzes Ziel war nur, Basketball zu nutzen, um einen Abschluss zu machen.

Für diese Liebe hat Granger einiges auf sich genommen. Während für den normalen Studenten die Zeit am College oft die schönsten Jahre des Lebens darstellen, stellten sie sich für Danny Granger gerade anfangs als eine deftige Probe heraus. “Meine ersten beiden Jahre an der Bradley University waren wirklich anstrengend, weil das Ingenieurs-Studium dort wirklich sehr gut und sehr hart ist”, erklärt der heute 25-Jährige. “Ich musste Basketball mit Physik, Mathe und den ganzen anderen Fächern kombinieren. Ich kann mich daran erinnern, dass ich meine Hausaufgaben bis ein Uhr nachts gemacht habe und dann frühmorgens wieder trainieren musste.” Wenn man eine Umfrage unter den 200ger-AII-Star-Kollegen Grangers starten würde, dann dürften wohl die wenigsten diese Erinnerungen teilen. Highschooler wie Kobe Bryant und LeBron James hatten mit diesem Leben schon per se nie etwas am Hut. Aber auch jene, die am College waren, konnten sich dort meist entspannt zurücklehnen …

Offiziell nennt man die Sportler an US-Universitäten “Student Athletes”. Aber vor allem an den für bestimmte Sportarten bekannten Unis stellen die talentierten Spieler mit Profi-Potenzial in erster, zweiter und dritter Linie Athleten dar. Natürlich studieren sie. Offiziell. Inoffiziell dürfen sie sich den Stundenplan mit lächerlichen Fächern wie “Gesellschaftstanz” oder sogar “Basketball-Geschichte” vollpacken. Nicht selten kommt es vor, dass andere Studenten die Hausaufgaben schreiben, Professoren massive Fehlstundenzahlen dulden und die Uni-Präsidenten beide Augen zudrücken, wenn es um die schulischen Leistungen geht. Solange die sportlichen stimmen! Denn die bringen Prestige und oft jede Menge Geld.

Genau das hatte natürlich auch Danny Granger vor Augen. Dessen Rechnung war einfach: Eine fundierte Ausbildung, für die er sich obendrein nicht verschulden muss, sichert ihm einen guten Job, der wiederum ein stabiles, wenn nicht sogar hohes Einkommen garantiert. Das funktionierte so gut, dass Danny Granger an der Elite-Uni Yale hätte studieren können. Ein Karriereplan, der als einfache Rechnung aufzugehen schien. Bis Granger irgendwann selbst einen dicken Schlussstrich darunter gezogen hat. Weil er nicht mehr nur gut war, sondern zu gut für seinen eigenen Plan.

“Die Leistungssteigerung kam wie aus dem Nichts”, wundert sich der Small Forward noch heute. “Aber auf einmal habe ich Awards gewonnen und irgendwann realisiert, dass ich es wahrscheinlich bis in die NBA schaffen würde. Da hat sich mein Fokus dann etwas verändert.” Das Problem an der Sache: Die Bradley University mag schon einige exzellente Ingenieure ausgebildet haben, aber als Brutstätte für NBA-Talente ist sie weitgehend unbekannt. Einzig der siebenfache NBA-AII-Star Chet Walker und Ex-Sonics-Scharfschütze Hersey Hawkins konnten sich als ehemalige “Bradley Braves” in der stärksten Liga der Welt durchsetzen.

Es gibt zwei Möglichkeiten in solch einer Situation. Entweder man stellt auf stur, verändert den Status quo nicht und versucht, auch in der Basketball- Diaspora so aufzutrumpfen, dass die Liga einen nicht übersehen kann. Oder man wechselt das Team. Granger entschied sich für Letzteres … und für die University of New Mexico.

Diese ist groß genug, um im Blickfeld der NBA zu stehen, aber klein genug, um Granger die Möglichkeit zu geben, vom ersten Tag an der Star der Truppe zu sein. Dafür nahm er in Kauf, fast ein Jahr lang aussetzen zu müssen. So sind die Regeln der NCAA.

Ganz anders sahen die Regeln von Danny Granger senior aus. Wenn der Junior vom beschaulichen IIlinois nach Albuquerque zieht, dann zieht der Vater mit. Ende der Diskussion. Das klingt erst mal seltsam. Ein junger Erwachsener, auf eigenen Füßen und auf dem besten Weg, jede Menge Geld zu verdienen – ein Dad als Aufpasser passt da irgendwie nicht dazu. Jedenfalls nicht vor Ort. Aber so war es früher, und so sollte es bleiben in den Augen von Granger senior. Da ließ Daddy nicht mit sich reden.

“Ich habe als Kind und Jugendlicher genauso Unfug getrieben wie anderein meinem Alter”, zieht Danny Granger junior den Vergleich mit Gleichaltrigen. “Aber ich habe nie etwas so Schlimmes getan, wie Drogen zu verkaufen oder jemandem eine Knarre an den Kopf zu halten. Ich hatte viel zu viel Schiss davor, dass mein Vater mich killen würde, wenn ich das tue.”

Wie so viele andere, vorwiegend schwarze Sportstars in den USA verfügt auch der Pacers-Star über Wurzeln in einer Gegend, die Optimisten als einfach und Pessimisten als Getto bezeichnen würden. Tief im Süden, in Louisiana, wo Jobmangel seit Jahrzehnten Tradition hat, sorgte Grangers Vater mit eiserner Hand und jeder Menge Disziplin dafür, dass sein Nachwuchs auf ehrliche Art und Weise und nicht über die schiefe Bahn den Ausweg aus einfachen Verhältnissen finden würde. Das hieß vor allem eins: Pauken, pauken, pauken! “Darum ging es meinem Vater stets: um schulische Leistung”, erinnert sich Danny Granger. “Er wollte schon, dass ich Basketball spiele, aber er hätte mich nie auf eine Schule geschickt, nur weil sie ein gutes Basketball-Team hat.”

Da passt es ins Bild, dass der Vater dem Sohn einen eigenen Court baute, inklusive Flutlicht. Direkt neben dem elterlichen Wohnhaus. Nicht – was naheläge -, um ihm den Weg zu einer NBA-Karriere zu ebnen, sondern um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass er irgendwo anders auf dumme Gedanken kommt. Weil Grangers Heimatort Metairie, im übertragenen Sinne, nicht zu den sonnigsten Orten dieser Erde zählt und das Behüten des eigenen Nachwuchses wohl zu den natürlichsten Elterntrieben gehört, kann man das nachvollziehen.

Nur: Bei Danny junior wollte Papa ganz auf Nummer sicher gehen. Nicht nur in New Mexico, sondern auch auf der nächsten Stufe der Karriere-Leiter seines sportlich talentierten Sohnes war er dabei. Nicht als schnell erreichbare Unterstützung im Geiste – sondern live. Vor Ort. In Fleisch und Blut. Zwei Generationen von Grangers vereint in Indianapolis. Unter einem Dach.

Dass Granger senior inzwischen dann doch die Wohngemeinschaft mit seinem Sohn und der zukünftigen Schwiegertochter verlassen hat, ändert nichts an der innigen Beziehung der beiden und dem Resultat der strengen Erziehung. “Ich kann Danny nur als einen Menschen mit höchstem Charakter bezeichnen”, schwärmt dessen Ex-College-Coach Ritchie McKay.

Gerade deshalb sorgt die Entscheidung vieler NBA-Teams, Granger in der vorderen Hälfte der ersten Draft-Runde 2005 so eklatant zu übersehen, für Kopfschütteln. Denn immer wieder haben Teams in den vergangenen Jahren darauf gesetzt, nicht nur die sportliche Komponente in den Vordergrund zu rücken, sondern auch den familiären Background und die menschliche Seite zu checken. Die Portland Trail Blazers – man erinnert sich – bauten nach dem Publicity-Desaster der “Jailblazer” -Jahre um Rasheed Wallace und Damon Stoudemire gar eine kornplett neue Mannschaft unter diesem Motto auf. Als Musterbeispiel dafür galt und gilt Martell Webster. Gedraftet an sechster Stelle. Wegen seiner Qualitäten als Shooter und als Mensch.

Rückblickend rnuss man sich fragen, wo ein Danny Granger in den Gedankengang dieser Entscheidungsfindung passt. Vom Talent her konnte ,,00″ dem Forward der Blazers locker das Wasser reichen. Auf der menschlichen Ebene allem Anschein nach auch. Also ist Granger wohl ein Paradebeispiel für einen Trend in der NBA, unerfahrenen Spielern eine große Zukunft vorherzusagen und jene mit vier Jahren College-Erfahrung schon vor der ersten NBA-Minute zum alten Eisen zu erklären. Man hat diese “Jungs” vier Jahre beobachten können und glaubt zu wissen, was sie bieten. Was man kennt, ist halt nicht

So sexy.

So kommt es immer wieder vor, dass der völlig blauäugige, aber mit einer immensen Armspannweite und guter Sprungkraft ausgestattete Nachwuchs-Big-Man Webster für das, was er sein könnte, einem Spieler wie Granger vorgezogen wird. Der bietet im Gegensatz dazu zwar Sicherheit, aber kaum Entwicklungsmöglichkeiten. So das herrschende Vorurteil.

Dass Danny Granger einer jener Spieler ist, die zeigen, dass man sich auch als Spieler mit vier Jahren College noch wesentlich verbessern kann, führt Houston-Rockets-Star Ron Artest auf die von Granger senior gepredigte Arbeitsmoral zurück. “Danny hat sich nicht auf sein angeborenes Talent verlassen und sich mit dem Erreichten zufriedengegeben”, glaubt Artest, der mit Granger in der Saison 2005/06 zusammengespielt hat. “Er maximiert sein Talent zurzeit wirklich optimal.”

Dass dieses Attribut zumeist den wirklich überragenden Spielern dieser Sportart zugeschrieben wird, ändert nichts an der Tatsache, dass der Shootingstar dieser Saison momentan nicht mehr darstellt als einen sehr starken Spieler in einer arg mittelmäßigen Truppe. Die Pacers spielen zwar attraktiven, schnellen Basketball und sind mit rund 105 Punkten pro Partie das drittbeste Scoring-Team der Liga, aber mit den Playoffs hat das Team allem Anschein nach nichts zu tun. “Wir haben nicht DAS Gesicht der Franchise”, glaubt derweil auch Indianas Coach Jim O’Brien. “Wir sind als Team stark. Aber Danny Granger ist ein sehr, sehr guter Spieler. Er hat die beste Plus-minus-Statistik unseres Teams, er ist ein solider Leader und zusammen mit Mike Dunleavy einer unserer Captains. Er ist ein Scorer, aber auch ein solider Defender. Alles in allem ziemlich vielseitig also.”

Natürlich stechen trotz der 1,0 Steals, 1,5 Blocks und 5,0 Rebounds vor allem Grangers 25,6 Punkte pro Spiel ins Auge, die ihn zum fünftbesten Scorer der Liga machen. Das resultiert sicherlich aus dem Talent Grangers, aber zum Teil eben auch aus dem offensiv ausgerichteten System seines Coaches, der seine Jungs mehr Dreier nehmen lässt als 27 andere Teams dieser Liga. Und Granger trifft nahezu 40 Prozent seiner Versuche von Downtown. Als Spot-up-Shooter gehört er schon jetzt zu den Besten dieser Liga. Seine Kritiker bemängeln indes gerne, dass der Schuss aus dem Dribbling eher mittelmäßig ist und sein Ballhandling sowie Passspiel noch einen kräftigen Verbesserungsschub vertragen können, um Granger wirklich in höhere Starsphären der Liga zu katapultieren. Letzten Endes hängt es zu einem gewissen Teil von Granger selbst ab, ob er ein starker Scorer in einem schwachen Team bleibt oder ein echter Superstar wird, der seine Mannschaft zum Erfolg powert. Zumindest hat er bei den Pacers noch einen Vertrag bis 2014, der ihm 60 Millionen Dollar garantiert.

Egal ob bei den Pacers oder in einem anderen, besseren Team: In den nächsten Jahren wird man noch viel von Danny Granger hören. Und wenn es überraschenderweise doch nichts mehr mit einer Superstar-Karriere in der NBA werden sollte, kann sich der Pacers-Forward ja immer noch auf seine anderen Talente besinnen. Davon hat er ja genug. Und sei es als Elektriker.

Quelle: 4/2009